Bewegen – begegnen – besinnen:Osterweg 2026
30 Pilger machten sich gemeinsam auf ihren ganz persönlichen Ostermarsch von der Pfarrkirche St. Johannes Lohmar zur Abteikirche Michaelsberg in Siegburg. Unter dem Leitwort „Brannte nicht unser Herz, als er unterwegs mit uns sprach?“ begaben sie sich dabei gemeinsam auf die Suche nach Antworten, Orientierung und einem neuen Blick auf die eigene Lebens- und Glaubensgeschichte.
Zu einem besonderen spirituellen Erlebnis hatte Pfarrer Francis am Samstag, den 11. April 2026 eingeladen: Der als „Osterweg 2026“ bezeichneten Pilgertour unter dem Motto „Bewegen – begegnen – besinnen“ folgten rund 30 Pilgerinnen und Pilger, um innere Einkehr, Momenten der Stille und Begegnungen mit sich und anderen Gläubigen zu erleben.
Treffpunkt war die Kirche Sankt Johannes in Lohmar, wo der Pilgerweg mit einer Begrüßung und einer geistlichen Einführung begann. Pfarrer Francis erinnerte daran, dass die österliche Zeit weit über Ostersonntag und Ostermontag hinausreicht. „Wir wollen uns gemeinsam aufmachen, um das Ostererlebnis selbst zu erfahren – auf unserem Weg und in unseren Begegnungen“, so der Geistliche. Er knüpfte an die Emmaus-Geschichte im Lukasevangelium (Lk 24,13-35) an, in der Jesus zwei seiner Jünger ein Stück des Weges begleitet, ohne dass sie ihn erkennen. Die beiden sind enttäuscht, erschöpft und voller Fragen von den zahlreichen Ereignissen der vergangenen Tage. Dem vermeintlich Fremden schütten sie während des Gehens ihr Herz aus, berichten von ihrer Trauer, ihrer Ratlosigkeit und Verzweiflung. Der Fremde geht auf ihre Sorgen ein und während er sprach, spürten die beiden eine innere Wärme, ein Aufleuchten von Hoffnung – später beschrieben sie es so: „Brannte nicht unser Herz in uns, als er unterwegs mit uns sprach?“
Die Pilger aus Lohmar machten sich auch auf den Weg, um diesen besonderen Moment der Nähe Gottes zu spüren – denn „wo zwei oder drei in meinem Namen versammelt sind, da bin ich mitten unter ihnen“.
Ein Weg durch Natur, Geschichte und Begegnung
Von Sankt Johannes führte die Strecke über den Aggerweg, vorbei an der Lohmarer Burg und dem Campingplatz, hinein in den Lohmarer Wald. Die Gruppe wanderte entlang der alten Schienen der ehemaligen Aggertalbahn, liebevoll als „Luhmerer Grietchen“ bezeichnet.
Auf halber Strecke setzte Pfarrer Francis einen meditativen Impuls: Durch bewusstes Atmen sollten die Teilnehmenden ihre Verbindung zur Natur und zur Schöpfung erspüren.
Die dritte Station lag auf dem Alten Friedhof in Siegburg. Dort stand das Thema „Beim Namen nennen“ im Mittelpunkt – angelehnt an die Begegnung Jesu mit Maria Magdalena (Joh 20,1–18). Jede Pilgerin und jeder Pilger zog den Namen eines anderen Teilnehmenden, um das nächste Wegstück bewusst zu zweit mit diesem zunächst noch „Fremden“ zu gehen und einander ein wenig kennenzulernen.
Ankunft auf dem Michaelsberg – Segen, Schatz und Gemeinschaft
Über die Holzgasse führte der Weg hinauf zum Kloster Michaelsberg, wo die Pilger bereits von drei Priestern des Ordens der Unbeschuhten Karmeliten empfangen wurden. 2013 zogen insgesamt sechs Ordensbrüder in den Karmel Michaelsberg. Sie feiern dort täglich Gottesdienste in der Abteikirche oder der Krypta und sind seelsorglich in Siegburg, Lohmar, Sankt Augustin und Niederkassel-Nord tätig.
In der Anno-Kirche begrüßten die Mönche ihre Gäste ganz offiziell und sehr herzlich.
Als besondere Überraschung hatte Pfarrer Francis eine „Schatzfindung“ vorbereitet: Jede Teilnehmerin und jeder Teilnehmer durfte sich eine buntes Glas-Perle von einem grünen Samtkissen nehmen sowie ein rotes Geschenkband mit dem Segensspruch:
„Der Herr segne dich und zeige dir den Platz, an dem er dich braucht. Der Herr beschütze dich und erfülle dein Herz mit Freude.“ Diese denkwürdige Schleife banden sich die Pilger gegenseitig als Zeichen der Verbundenheit ums Handgelenk.
Zum Abschluss lud das Kloster in seinen Essenssaal ein. Zur Auswahl standen deftige Gulaschsuppe und köstliche Minestrone mit frischen Brötchen. Auf diese Weise geistig und körperlich gestärkt traten die Pilgernden den Rückweg an.
Der „Osterweg 2026“ endete in großer Dankbarkeit – für die gemeinsamen Schritte, die Begegnungen und die spirituellen Impulse, die viele noch lange begleiten werden.
Text und Bilder:Ulrike Clever