Impulse des Pastoralteams

Für uns alle ist die Zeit schwer. Als Pastoralteam wollen wir Sie mit Impulsen begleiten, die uns Mut und Orientierung zu geben können:

 

 

 

 

Impuls Pfingsten 2020

Pfarrer Bonifatius Müller

 

 

Der Geist des Herrn erfüllt den Erdkreis.

In ihm hat alles Bestand.

Nichts bleibt verborgen vor ihm. Halleluja.

 

Weish 1, 7

 

Gebet

Guter Gott, durch das Geheimnis des heutigen Tages heiligst du deine Kirche in allen Völkern und Nationen. Erfülle die ganze Welt mit den Gaben des Heiligen Geistes. Und was deine Liebe am Anfang der Kirche gewirkt hat, das wirke sie auch heute in den Herzen aller, die an dich glauben.
Darum bitten wir durch Jesus Christu.

 

Evangelium

Joh 20, 19–23

+ Aus dem heiligen Evangelium nach Johannes.

Am Abend des ersten Tages der Woche, als die Jünger aus Furcht vor den Juden bei verschlossenen Türen beisammen waren, kam Jesus, trat in ihre Mitte und sagte zu ihnen: Friede sei mit euch! Nach diesen Worten zeigte er ihnen seine Hände und seine Seite.

Da freuten sich die Jünger, als sie den Herrn sahen. Jesus sagte noch einmal zu ihnen: Friede sei mit euch! Wie mich der Vater gesandt hat,
so sende ich euch. 

Nachdem er das gesagt hatte, hauchte er sie an und sagte zu ihnen: Empfangt den Heiligen Geist! Denen ihr die Sünden erlasst, denen sind sie erlassen; denen ihr sie behaltet, sind sie behalten.

 

Gedankensplitter

Viel ist heute von „Brennpunkten“ die Rede: Orte, an denen sich etwas bündelt und konzentriert. Man spricht von „sozialen Brennpunkten“, von „wirtschaftlichen Brennpunkten“, von „Brennpunkten der Armut oder des Reichtums“, von „Brennpunkten der Macht“ oder von „Brennpunkten der Mitmenschlichkeit“. 

Damals, zu Pfingsten, beim ersten Pfingstfest, dem Geburtstag unserer Kirche, da war Jerusalem so ein „Brennpunkt“  beson­derer Art und im wahrsten Sinn des Wortes. Im Pfingstbericht wird von Zungen, wie von Feuer berichtet, die auf die Jünger herabkamen. Da steht, dass der Hei­lige Geist die Jünger Jesu, die fünfzig Tage nach Ostern in Jerusalem versammelt waren, wie mit einem Feuer begeistert hat. Unser vorheriger Papst Benedikt hat das einmal so ausgedrückt: „Ohne Vernunft kann der Glaube zum Fundamentalismus entarten, aber ohne Glaube verselbststän­digt sich die Vernunft in die Zwecklosigkeit“. Der Glaube von uns Christen muss wieder den Mut bekommen, unzeitgemäß zu sein. Denn alles, was zeitgemäß ist, ist immer auch an die Zeit und damit an die Vergäng­lich­keit gebunden. Von da an, heißt es von den Aposteln zu Pfingsten, von da an „brannten“ sie. 

Die große Misere der Kirche unserer Tage ist nicht, dass wir weniger Geld oder weniger bezuschusste Versammlungsflächen hätten; auch nicht, dass wir zu wenig  Priester und zu wenig soziales Engagement hätten. Die gro­ße Misere unserer Kirche ist, dass wir Chri­sten nicht mehr brennen!! Die große Misere ist, dass unser Glaube so langweilig verbürgerlicht ist, dass nichts wirklich mehr interessiert, vielleicht noch so am Rande, vielleicht noch zu gewissen Feiertagen oder zu besonderen Anlässen. Pfingsten hat­te in den Menschen damals im Saal zu Jerusalem aber eine besondere Lei­denschaft entzündet: die Leiden­schaft zum öffentlichen Zeugnis. Also kein Knatschverein, der darüber jammert, wie gut es früher war und wie finster die Zeiten heute sind. 

Der Heilige Geist ist Gottes größte Gabe. In ihm schenkt uns Gott etwas unmittelbar von sich selbst und legt es in unser Herz hinein. Und so hat Gott auch die Leidenschaft zur Verkündigung und zum persönlichen Zeug­nis in den Herzen der Apostel angezündet. Die Apostel damals hat eines von der Kirche von heute unterschieden: Sie sind zusammen geblie­ben, auch in der größten Katastrophe ihres Glaubens nach der Kreuzigung Christi, mit der menschlich alles im Eimer war. Sie sind zusammen geblie­ben. 

 

Ausblick in die Woche

Wir feiern wieder öffentlich die Eucharistie in unseren Kirchen - jeden Sonntag, mancherorts auch tagtäglich. Wir können darüber nachdenken: 

Sind die Kirchen und unsere Gemeinden Orte des Gebetes, auch über unsere Got­tesdienste hinaus? Oftmals sind sie es nicht. Sie werden als bloße Kunst­denkmäler besucht – oder sie sind überhaupt zugesperrt. 

Lassen wir un­sere Kirche wieder ein Ort des Gebetes sein! Nützen wir ihre spirituelle Kraft, die sie durch die Feier der Eucharistie immer wieder neu erhalten. 

Suchen wir nach Jesus Christus, der in den Kirchen und bei den Men­schen auf uns wartet und uns empfängt und uns den Glauben und den Mut gibt, auch den Kindern und Enkeln zu sagen: Ja ich glaube!

Und: ich will diesen Glauben selbstverständlich leben und ihn nicht hin­ter staatlich erlaubten Feiertagen verstecken. - 

Und: ich will davon er­zählen dürfen wie jeder Mensch, der von einer Sache begeistert ist. - 

Und: ich will dich dazu einladen, dich anstecken zu lassen von etwas, das dir wirkliches Leben geben kann - wirkliches Leben und Überleben auch dein Sterbenmüssen. 

Wann fangen wir an, das endlich wieder zu tun? 

Wann fangen wir wieder an, Menschen zu sein und Christen zu werden? 

Es ist nicht der bloße Aktionismus, der es Pfingsten werden lässt, nicht das, was wir „nach außen hin“ alles tun, so großartig es auch sein mag. Wir brauchen Feuer! Wir brauchen Leidenschaft, eine Strahlkraft, die aus dem Herzen kommt! 

Dazu braucht es Menschen mit Rückgrat, 

dazu braucht es Menschen mit dem Mut, gegen den Strom zu schwimmen; 

dazu braucht es Menschen, die offen und neu­gierig auf die Wun­der Gottes mitten in einer von uns Menschen oft verkauften und ver­rate­nen Welt sind. 

Pfingsten, das sind wir. Gott hat nämlich auch im coronageschädigten Jahr 2020 keine anderen als uns.

 

Gebet

Gott, du hast deine Kirche mit himmlischen Gaben beschenkt. Erhalte ihr deine Gnade, damit die Kraft aus der Höhe, der Heilige Geist, in allen Herausforderungen des Alltags weiterwirken kann.

Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn.

 

Segen

Es segne, bewahre und beschütze uns, die Menschen in unserer Pfarrei St. Johannes und die Welt, in der wir leben, der barmherzige Gott: 

der Vater und der Sohn und der Heilige Geist. Amen.

 

 

 

 

 

Impuls zum 7. Sonntag in der Osterzeit 2020

Pfarrer Bonifatius Müller

 

Vernimm, o Herr, mein lautes Rufen; sei mir gnädig und erhöre mich!

Mein Herz denkt an dein Wort: „Sucht mein Angesicht!“

Dein Angesicht, Herr, will ich suchen.

Verbirg nicht dein Gesicht vor mir! Halleluja.

 

Ps 27,7-9

 

Gebet

Allmächtiger Gott, wir bekennen, dass unser Erlöser bei dir in deiner Herrlichkeit ist. Erhöre unser Gebet und lass uns erfahren, dass er alle Tage bis zum Ende der Welt bei uns bleibt, wie er uns verheißen hat.

Er, der in der Einheit des Heiligen Geistes mit dir lebt und herrscht in alle Ewigkeit.

 

Lesung

Apg 1, 12–14

Als Jesus in den Himmel aufgenommen worden war, kehrten die Apostel von dem Berg, der Ölberg genannt wird und nur einen Sabbatweg von Jerusalem entfernt ist, nach Jerusalem zurück.

Als sie in die Stadt kamen, gingen sie in das Obergemach hinauf, wo sie nun ständig blieben: Petrus und Johannes, Jakobus und Andreas, Philíppus und Thomas, Bartholomäus und Matthäus, Jakobus, der Sohn des Alphäus, und Simon, der Zelót, sowie Judas, der Sohn des Jakobus. 

Sie alle verharrten dort einmütig im Gebet, zusammen mit den Frauen
und Maria, der Mutter Jesu, und seinen Brüdern.

 

Gedankensplitter

Was braucht es heute eigentlich, um an Gott zu glauben? Vielleicht, dass wir endlich  ein echtes Bild von Gott haben, kein geschöntes oder fein geglättetes und entschärftes, damit nur ja sich niemand persönlich sehr betroffen fühlen kann. Das wir endlich unsere Zerrbilder von Gott in die Tonne werfen und uns kein Bild von Gott machen, was wir nach den 10 Geboten ja sowieso nicht dürfen, sondern, dass wir deutlicher wahrneh­men und spüren und herauslesen können, wie Gott im Leben von uns Menschen, wie er in meinem Leben vorkommt, wie er wirkt, wie er zu erfahren ist oder eben auch, wie er nicht zu erfahren ist. Wenn ich mehr Fragen als Antworten bekommen. Wo bist du Gott jetzt, in dieser Virus-Krise, Wo können wir dich finden? Wie können wir dich spüre? Wie schaf­fen wir es,  in diesen so angeschlagenen Tagen nicht an dir zu verzwei­feln?  Wir Menschen begreifen in unseren Tagen wohl deutlicher als sonst, dass alle menschliche Individualität ihre Grenzen hat und haben muss. Unsere Beziehungen halten nur dann stand, wenn jeder etwas von dem gibt, was ihm persönlich gehört und was ihn ausmacht. Einheit und Gemeinsamkeit wird nur dann im Staat und auch in der Kirche gestiftet, wenn Menschen etwas haben, was sie zusammenhält, was sie gemeinsam trägt und prägt, woran sie gemeinsam bauen und woran sie zusammen glauben können.

Vielleicht hilft uns da ein Liedtext von Gerald Fleisch etwas auf die Sprünge:

„Unscheinbar und schnell und niemand hat's geahnt, hat sich die neue Zeit leise angebahnt. Von heut' auf morgen alles auf den Kopf gestellt. Ein Schauermärchen real-life nicht mehr nur erzählt. Es war einmal ein reiches und verwöhntes Land.

Das wär für seine Hektik und all die Ich-AG's bekannt. Da kam der Kö­nig Virus und hat von Geisterhand das ganze Land zum Stillsein und Zusammenhalt verdammt. Und plötzlich war da Ruhe und plötzlich war da Zeit und ein Gefühl Gemeinsamkeit machte sich schnell breit. Und plötzlich spürten alle was man so leicht vergisst: Dass alles was wir haben nicht selbstverständlich ist Man rückte schnell zusammen, ob­wohl's nur symbolisch ging. Weil über allem ständig dieser König Virus hing. Und alle konnten fühlen egal wer und was Du bist. Dass man auf­einander einfach angewiesen ist.

Und plötzlich war da Ruhe und plötzlich war da Zeit und ein Gefühl Gemeinsamkeit machte sich schnell breit. Und plötzlich spürten alle was man so leicht vergisst: Dass alles was wir haben nicht selbstver­ständlich ist. Und plötzlich spürten alle, auf einmal war es klar, dass alles was wir hatten nicht selbstverständlich war. Es war kein wilder Traum aus dem man mal erwacht. Es waren keine fake-news, es war nicht ausgedacht. Und es war kein Märchen, niemand hat gelacht. Das Unmärchen vom König Virus hatte Macht.“

 

Ein Blick in die Realität dieser Erde zeigt: 

  • Sie hat ein Mehr an Menschlichkeit und Liebe nötig, bitter nötig. Sie hat die christliche Botschaft von einem Leben nötig, das kein materiel­les Verfallsdatum mehr kennt. Sie hat nötig, sich wieder gemeinsam auf die Suche zu machen, nach diesem so ganz anderen Gott, dem das Schubladendenken dieser Welt zu eng geworden ist. 
  • Diese Welt hat Christen nötig, die nicht auseinanderlaufen, sondern einmütig, wie die Jünger, zusammenbleiben; die immer und immer wieder an seine Tür klopfen und fragen: Wo bist du Gott? Die zusam­men hoffen und glauben und beten.
  • Und: Dabei macht es nichts, dass wir gegen den Strom schwimmen, dass wir angreifbar werden und auch oft den Kürzeren ziehen, wenn wir Gottes Wirken an und mit uns nur zulassen, weil es uns hilft, Christen zu sein und Menschen zu werden. Und das heißt dann: wir werden wirklich leben – überleben.

Gebet

Erhöre uns, Gott, unser Heil, und schenke uns die feste Zuversicht, dass die ganze Kirche jene Vollendung erlangen wird, die Christus, ihr Haupt, in deiner Herrlichkeit schon besitzt,

Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn.

 

Segen

Es segne, bewahre und beschütze uns, die Menschen in unserer Pfarrei St. Johannes und die Welt, in der wir leben, der barmherzige Gott: 

der Vater und der Sohn und der Heilige Geist. Amen.

 

Ausblick in die Woche

Die Erinnerung an den Weg Jesu, am dem wir uns als ChristInnen orientie­ren, kann uns auch heute trösten, wenn wir wegen unseres Glaubens belä­chelt, beschimpft oder an den Rand gedrängt werden. Wir dürfen uns dann in guter Gesellschaft und von dem begleitet wissen, dem wir nach­folgen.

 

Immer wieder Ringen zwischen Gott und Mensch:
GOTT, der beruft - Menschen, die den Ruf hören.
GOTT, der beauftragt - Menschen, die der Auftrag ängstigt.
GOTT, der fordert - Menschen, die sich überfordert fühlen.

 

Immer wieder Gottes Zusage:
ICH bin bei dir - ICH stärke dich - ICH schütze dich -  ICH verlasse dich nicht.

 

Immer wieder Menschen, die sich in seinen Dienst nehmen lassen,
die über sich hinauswachsen, die seinen Auftrag erfüllen:

Abraham, der in die Fremde zieht,
Mose, der sein Volk führt,
David, der den Goliath besiegt.
Maria, die ihr Amen sagt,
Jünger, die alles verlassen,
Menschen, die für ihn Zeugnis geben.

Wir alle - von GOTT berufen.

 

Immer wieder. Bis heute.

 

© Gisela Baltes

 

 

 

 

 

Impuls zum 6. Sonntag in der Osterzeit 2020

Pater Jerry Matthew OCD

Verkündet es jauchzend, damit man es hört!

Ruft es hinaus bis ans Ende der Erde!

Ruft: Der Herr hat sein Volk befreit. Halleluja!

 

Jes 48, 20

 

Gebet

Allmächtiger Gott,   österliche Zeit ist Grund zur Freude. Lass uns das in unseren Begegnungen miteinander feiern und die Auferstehung unseres Herrn preisen, damit das Ostergeheimnis, das wir in diesen fünfzig Tagen feiern, unser ganzes Leben prägt und verwandelt.
Darum bitten wir durch Jesus Christus.

 

Evangelium

Joh 14, 15–21

+ Aus dem heiligen Evangelium nach Johannes 

In jener Zeit sprach Jesus zu seinen Jüngern:

Wenn ihr mich liebt, werdet ihr meine Gebote halten. Und ich werde den Vater bitten und er wird euch einen anderen Beistand geben, der für immer bei euch bleiben soll, den Geist der Wahrheit, den die Welt nicht empfangen kann, weil sie ihn nicht sieht und nicht kennt. Ihr aber kennt ihn, weil er bei euch bleibt und in euch sein wird. Ich werde euch nicht als Waisen zurücklas­sen, ich komme zu euch.

Nur noch kurze Zeit und die Welt sieht mich nicht mehr; ihr aber seht mich, weil ich lebe und auch ihr leben werdet. An jenem Tag werdet ihr erkennen: Ich bin in meinem Vater, ihr seid in mir und ich bin in euch.

Wer meine Gebote hat und sie hält, der ist es, der mich liebt; wer mich aber liebt, wird von meinem Vater geliebt werden und auch ich werde ihn lieben und mich ihm offenbaren.

 

Gedankensplitter

Homeoffice, Hausarbeit und Kinderbetreuung – so sieht für viele Familien seit einigen Wochen der Alltag aus. 80 Prozent der Mütter sehen sich über­proportional in der Pflicht. Es steht in einem Artikel, dass die Männer wo­möglich den Umfang ihrer Tätigkeit in Haushalt und Familie unterschät­zen. Eher ist davon auszugehen, dass Männer und Frauen ein unterschiedli­ches Verständnis davon haben, was ihr Engagement in Haushalt und Familie be­trifft. 

In der Gesellschaft erleben wir einen Verteilungskampf der Industrie um Staatshilfen und Sonderrechte. Die deutsche Autoindustrie möchte Kauf­prämien. Der Dachverband der europäischen Autobauer fordert die EU-Kom­mission auf, strengere CO2-Grenzwerte zu verschieben. Vertreter der Landwirtschaft formulieren ähnliche Wünsche. Für den Bund der deutschen Industrie gehört das EU-Klimaziel für 2030 auf den Prüfstand. Es gab in den vergangenen zwei Jahren Proteste für eine Verkehrs- und Landwirtschafts­wende, für das Recht auf Wohnen, Klimagerechtigkeit, Solidarität mit Ge­flüchteten usw. Nun sind sie vielleicht nicht mehr relevant. Wenn je­mand die Infektion überstanden hat, darf er dann wieder arbeiten? Dies ist auch eine aktuelle Frage. 

Wir brauchen Hilfe, wir brauchen Unterstützung, wir brauchen ein neues Verständnis. Jesus verspricht uns im heutigen Evangelium all dies. Er hat uns gesagt, dass er den Vater bitten wird und der Vater uns einen anderen Beistand gibt, damit wir niemals als Weisen zurückgelassen werden. Der Geist, den wir erhalten, wird uns erneuern. Er hilft uns und verteidigt uns, wenn es für uns schwierig wird. Der Geist schützt uns, er stellt sich als machtvoller Helfer hinter unser Leben. Der Geist, unser Beistand, will uns öffnen für Gott und will uns die Freude entdecken lassen, wenn wir selbst­los lieben, für andere in der Familie und in der Gesellschaft da sind. 

Der Geist gibt uns die Kraft, zu unterscheiden, uns nicht zuschütten zu las­sen von den schrecklichen Nachrichten und traurigen Lagen der Welt. Der Geist macht sensibel für die Stille. Er schärft in uns das Gespür dafür, dass Gott uns nicht aufgibt, trotz unserer Schwäche und Ohnmacht.  Es kommt also darauf an, Christus im Herzen zu tragen und dem heiligen Geist in uns eine Wohnstatt zu bereiten, seiner Liebe und seinem Frieden in uns einen Platz zugeben. Wo der Geist in unseren Herzen wohnen darf, breitet sich eine tiefe Ruhe und Gelassenheit aus, ein Friede, der über alle Stürme die­ser schweren Zeit hinweg geht und nicht erschüttert werden kann. 

 

Gebet

Allmächtiger Gott, du hast uns durch die Auferstehung Deines Sohnes
einen neuen Blick auf das ewige Leben geschenkt.
Lass das österliche Geheimnis in uns wirksam werden. 
Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn.

 

Segen

Es segne, bewahre und beschütze uns, die Menschen unserer Pfarrei St. Johannes und die Welt, in der wir leben, der barmherzige Gott, 

der Vater und der Sohn und der Heilige Geist. Amen. 

 

Ausblick in die Woche

Irgendwann

kommt der Zeitpunkt

das zu tun, was  e i g e n t l i c h  richtig  wäre - 

dann brauche ich einen klaren Blick…

 

Irgendwann

ist es soweit,

dass ich ausspreche, was ich „sehe“ -  

ohne zu verurteilen…

 

Irgendwann

bin ich bereit,

die Spreu vom Weizen zu trennen -

mit anderen Augen hinzusehen…

 

Irgendwann

wird der Zeitpunkt da sein,

der mich mutig handeln lässt -

weil der Geist Gottes mich leitet…

 

Irgendwann

spüre ich Gottes Zuwendung,

weil er meine Schwäche und Ohnmacht 

in Stärke und Klarheit verwandeln will.

 

Ja, irgendwann…

recht-zeitig?!

 

wea

 

 

 

 

 

Impuls zum 5. Sonntag in der Osterzeit 2020

Pastoralreferent Mattia Zurlo

 

Singt dem Herrn ein neues Lied,
denn er hat wunderbare Taten vollbracht
und sein gerechtes Wirken enthüllt vor den Augen der Völker.
Halleluja.

Ps 98 (97), 1–2

 

Gebet

Gott, unser Vater, du hast uns durch deinen Sohn erlöst und uns als deine geliebten Kinder angenommen. Sieh voll Güte auf alle, die an Christus glauben, und schenke ihnen die wahre Freiheit und das ewige Leben. 

Darum bitten wir durch ihn, Christus, unseren Herrn.

 

Lesung

1 Petr 2, 4 – 9

Kommt zu ihm, dem lebendigen Stein, der von den Menschen verworfen, aber von Gott auserwählt und geehrt worden ist! Lasst euch als lebendige Steine zu einem geistigen Haus aufbauen, zu einer heiligen Priesterschaft, um durch Jesus Christus geistige Opfer darzubringen, die Gott gefallen! Denn es heißt in der Schrift: Siehe, ich lege in Zion einen auserwählten Stein, einen Eckstein, den ich in Ehren halte; wer an ihn glaubt, der geht nicht zugrunde. Euch, die ihr glaubt, gilt diese Ehre. Für jene aber, die nicht glauben, ist dieser Stein, den die Bauleute verworfen haben, zum Eckstein geworden, zum Stein, an den man anstößt, und zum Felsen, an dem man zu Fall kommt. Sie stoßen sich an ihm, weil sie dem Wort nicht gehorchen; doch dazu sind sie bestimmt. Ihr aber seid ein auserwähltes Geschlecht, eine kö­nigliche Priesterschaft, ein heiliger Stamm, ein Volk, das sein besonderes Ei­gentum wurde, damit ihr die großen Taten dessen verkündet, der euch aus der Finsternis in sein wunderbares Licht gerufen hat.

 

Gedankensplitter

Steine scheinen auf den ersten Blick leblos, aber wenn man sie genauer betrachtet, erzählen sie viel über ihre Herkunft und den Weg, den sie schon gegangen sind.

Zum Bau eines Kirchengebäudes braucht man viele Steine und die haben auch schon einen langen Weg hinter sich. Wenn Sie einmal außen um eine unserer Kirchen herumgehen und die Steine aufmerksam betrachten, dann können Sie sehen, welche Steine in alter Zeit eingebaut wurden. Mir gefal­len besonders die alten Steine, die sehr unterschiedlich von Größe, Farbe und Gestalt sind. 

Sie erzählen davon, dass sich seit Hunderten von Jahren Menschen treffen, um Gottesdienste zu feiern, um zu singen und zu beten, um gesegnet zu werden oder vielleicht, um nur eine Kerze anzuzünden. 

Wie viele mögen das insgesamt bis heute gewesen sein? 

Unzählige. Und sie alle gehören zu der Kirche Jesu Christi. Sie sind leben­dige Steine im übertragenen Sinn. Wir alle - Große und Kleine, Junge und Alte - bilden die Kirche Jesu Christi, die es überall auf der Welt seit 2000 Jahren gibt.

Bei der Taufe sagt Gott zu uns: „Fürchte dich nicht, denn ich habe dich erlöst, ich habe dich bei deinem Namen gerufen, du bist mein!“ Das bedeu­tet: du sollst mit zu meinem Bauwerk Kirche gehören, ein Teil davon sein. Der Fundamentstein dieser Kirche ist Jesus Christus selber, der Eckstein, nach dem der ganze Bau ausgerichtet ist.

An diesem Wochenende dürfen wir uns mit einer begrenzten Teilnahmezahl in der Kirche nach einer langen Zeit treffen, um gemeinsam Gottesdienst zu feiern. Kirche ist es aber nicht das Gebäude an sich, sondern sie ist die Gemeinschaft der Gläubigen. Besonders in dieser Zeit, die von der Corona-Pandemie geprägt ist, sind wir alle in unserem Alltag berufen, lebendige Steine der Kirche Christi zu sein. 

Und wie? Z.B. 

indem wir vielleicht ein Wort des Trostes und der Hoffnung durch einen Anruf oder Email geben. 

indem wir älteren oder kranken Menschen, die besonders zu der Risikogruppe gehören, bei Erledigungen von Einkäufen oder schweren Arbeiten helfen. 

Jeder von uns ist also mit den eigenen Gaben und Talenten ein unverzichtbarerer Stein unserer Gemeinde. 

 

Gebet

Du unser Vater, du hast uns wieder erfahren lassen, wie groß deine Liebe zu uns ist
und wie du uns führen willst.
Wir danken dir für diese Erfah­rung
und bitten dich um deine Kraft, das Erfahrene auch zu leben.
Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn.

 

Segen

Es segne, bewahre und beschütze uns, die Menschen unserer Pfarrei St. Johannes und die Welt, in der wir leben, der barmherzige Gott, 

der Vater und der Sohn und der Heilige Geist. Amen. 

 

Ausblick in die Woche

Steine - sie sind uns Zeichen auf unserem Weg

sie machen unseren Weg begehbar -

sie können uns auch am Weitergehen hindern 

und uns zu Umwegen oder zur Umkehr zwingen -

sie liegen uns im Weg und lassen uns stolpern -

wir können sie umgehen oder überspringen.

Als lebendige Steine 

können wir uns einmauern und unerreichbar machen -

wir können auch Brücken bauen und neue Wege anlegen, 

die uns zueinander oder aneinander vorbei führen - 

Als lebendige Steine 

können wir Türen bauen mit Eingängen und Durchgängen -

wir können Stein des An-Stoßes sein und als Christinnen und Christen etwas anstoßen:

für uns selbst und für unseren Lebensweg -

in unserem Gespür füreinander, um uns ohne Wenn und Aber zu begegnen - 

in anderen, um uns schwesterlich-brüderlich zu begleiten -

miteinander, um die Zukunft in unseren Gemeinden mit unseren Gaben und Talenten füreinander einladend zu machen.

Als lebendige Steine hinterlassen wir Spuren…

awe

 

 

 

 

 

Impuls zum 4. Sonntag in der Osterzeit 2020

Pfarrer Bonifatius Müller

 

Dein Angesicht, Herr, will ich suchen… 

 

Ps 27,8

 

Gebet

Herr, unser Gott, dein Sohn ist der Kirche siegreich vorausgegangen als der Gute Hirt. Geleite auch die Herde, für die er sein Leben dahingab,

aus aller Not zur ewigen Freude.

Darum bitten wir durch ihn, Christus, unseren Herrn.

 

Evangelium

Joh 10, 1-10

+ Aus dem heiligen Evangelium nach Johannes 

In jener Zeit sprach Jesus: Amen, amen, ich sage euch: Wer in den Schaf­stall nicht durch die Tür hineingeht, sondern anderswo einsteigt, der ist ein Dieb und ein Räuber. Wer aber durch die Tür hineingeht, ist der Hirt der Schafe. Ihm öffnet der Türhüter und die Schafe hören auf seine Stimme; er ruft die Schafe, die ihm gehören, einzeln beim Namen und führt sie hinaus. Wenn er alle seine Schafe hinausgetrieben hat, geht er ihnen voraus und die Schafe folgen ihm; denn sie kennen seine Stimme. Einem Fremden aber werden sie nicht folgen, sondern sie werden vor ihm fliehen, weil sie die Stimme der Fremden nicht kennen.

Dieses Gleichnis erzählte ihnen Jesus; aber sie verstanden nicht den Sinn dessen, was er ihnen gesagt hatte. 

Weiter sagte Jesus zu ihnen: Amen, amen, ich sage euch: Ich bin die Tür zu den Schafen. Alle, die vor mir kamen, sind Diebe und Räuber; aber die Schafe haben nicht auf sie gehört. Ich bin die Tür; wer durch mich hinein­geht, wird gerettet werden; er wird ein- und ausgehen und Weide finden. Der Dieb kommt nur, um zu stehlen, zu schlachten und zu vernichten; ich bin gekommen, damit sie das Leben haben und es in Fülle haben.

 

Gedankensplitter und Ausblick in die Woche

Vielleicht ist es ihnen auch schon einmal so ergangen. Sie standen vor einer Tür, aber niemand machte auf. Alles war verschlossen und wir kamen nicht hinein, fanden keinen Zugang und keinen Eingang. 

Wir stehen im Leben so oft vor den verschiedensten Türen. Sie können weit offen stehen oder wurden nur einen Spalt breit aufgemacht. Manche waren vielleicht nur angelehnt; andere wieder verriegelt und verrammelt. Es kann sein, dass uns auch jemand einfach die Tür vor der Nase zugemacht hat. So manch einer, der für unsere Pfarrei die Caritas-Haussammlung gemacht hat, kann von solchen Begebenheiten berichten. 

In all solchen Fällen läuft nichts mehr. Die Kommunikation ist zu Ende. Kom­munion, also Gemeinschaft, ist nicht mehr möglich. Ich bin die Tür, sagt Jesus uns im heutigen Evangelium; quasi als „Türsteher Gottes“ kommt er uns heute entgegen. Aber ein Türsteher ganz eigener Art: einla­dend und offen, weitherzig und freundlich. Er schließt keinen aus, und er schließt auch keinen ein. Aber er macht die Zusage: Wenn du kommen willst, wenn du Gott suchst und das Leben für dich finden willst, dann komm. Gott will gebeten werden, gerade in diesen corona-schwangeren Tagen, in der so manche Türen verschlossen bleiben müssen. 

So wie die Jünger damals im Gebet versammelt waren, so können wir in diesen Tagen Gott um seinen Beistand bitten, um Hilfe und Orientierung. Um den Menschen vom „Türsteher Gottes“, von Christus erzählen, kann unsere Vertrautheit mit ihm wachsen. Dazu können uns unsere Gebete und sehr kleine und personenmäßig reduzierte Gottesdienste, unsere Hausgot­tes­dienste, die wir neu kennen lernen können, unsere Gedanken und Bitten helfen. Gerade in dieser Zeit steht Christus an der Tür und will uns einla­den, neu hinzuschauen auf unser Leben, neu hinzusehen auf unseren Glau­ben und wie wir ihn bisher gelebt haben. Vielleicht ist dies auch eine Zeit, in der wir drüber nachdenken können, ob alles so bleiben soll wie es ist, oder ob wir die Herausforderung dieser Corona-Tage als Chance annehmen, uns auch in unseren Gemeinden in Lohmar neu aufzustellen und wie Chri­stus, quasi als „Türöffner Gottes“, einladend und offen, weitherzig und freundlich und mit Fantasie und persönlichem Engagement unseren Glauben zu leben versuchen. 

Auch die Menschen unserer gemeinsamen Pfarrei St. Johannes in Lohmar sind Weggefährten auf dieser neuen Suche. Jeder erlebt dabei vielleicht etwas Anderes: heilig, erhebend, ehrwürdig, vielleicht aber auch fremd und ungewohnt. Der Durchgang durch die Tür zur Begegnung mit Gott, zu der Christus uns einlädt, will auch Orte der gemeinschaftlichen, aber auch der ganz persönlichen Einkehr vor Gott schenken - ob zuhause, in den eige­nen vier Wänden - in den sozialen Netzwerken mit ihren vielfältigen kirch­lichen Angeboten oder im kleineren Kreis der Eucharistiefeiern, die uns in diesen Tagen möglich sind. Die Welt mit ihren Erfordernissen und Sach­zwängen, mit ihren Freuden und Problemen hat darin überall Platz. 

Verbinden wir uns in diesen Wochen, vielleicht auch Monaten, die diese Krise andauert, mit all den Gottsuchern, die das Wort aus Psalm 27 als ei­nen Impuls annehmen wollen „Dein Angesicht, Herr, will ich suchen“. Und das geht überall. Wir können so, auch als Pfarrei, zusammen Ausschau hal­ten nach dem, der in der Tür steht - der immer schon nach uns Ausschau gehalten hat. Das  kann dann auch andere Menschen, vielleicht auch die jüngeren Generation spüren lassen, dass hier eine Christengemeinde, trotz aller notwendigen Einschränkungen und Hinderungen, noch lebendig ist; dass sie nicht in der Gewöhnung oder Mutlosigkeit untergegangen ist und dass Gott auch hier in St. Johannes noch eine offene Tür finden kann. 

Lasst uns gemeinsam, auch auf neuen Wegen lebendig werden. 

Lasst uns im Miteinander auf dieser Zeitreise der besonderen Art gehen.

Lasst und die offene Tür finden, die es uns ermöglicht, dem lebendigen Gott zu begegnen. 

Lasst uns mit dem „guten Hirten“ offene Türen schaffen - dort, wo es uns möglich ist.

Nur Mut.

 

Gebet

Gott, du Hirt deines Volkes, sieh voll Huld auf deine Herde, die durch das kostbare Blut deines Sohnes erkauft ist; bleibe bei ihr und führe sie auf die Weide des ewigen Lebens.

Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn.

 

Segen

Es segne, bewahre und beschütze uns, die Menschen in unserer Pfarrei St. Johannes und die Welt, in der wir leben, der barmherzige Gott: 

der Vater und der Sohn und der Heilige Geist. Amen.

 

 

 

 

 

Impuls zum 3. Sonntag in der Osterzeit 2020

Pfarrer Markus Feggeler

 

Jauchzt vor Gott, alle Menschen der Erde!

Spielt zum Ruhm seines Namens!

Verherrlicht ihn mit Lobpreis! Halleluja

 

Ps 66 (65), 1-2

 

Gebet

Gott, Du hast uns und Deiner Kirche durch Leben, Tod und Auferstehung deines Sohnes neue Lebenskraft geschenkt. Gib uns Mut und Kraft, durch diese österliche Freude unseren Alltag hell zu machen und in unserem Handeln für andere durchscheinen zu lassen.

Darum bitten wir durch ihn, Christus, unseren Herrn.

 

Evangelium

Lk 24, 13-35

+ Aus dem heiligen Evangelium nach Lukas 

Am ersten Tag der Woche waren zwei von den Jüngern Jesu auf dem Weg in ein Dorf namens Emmaus, das sechzig Stadien von Jerusalem entfernt ist. Sie sprachen miteinander über all das, was sich ereignet hatte.

Und es geschah: Während sie redeten und ihre Gedanken austauschten, kam Jesus selbst hinzu und ging mit ihnen. Doch ihre Augen waren gehalten, so­dass sie ihn nicht erkannten. Er fragte sie: Was sind das für Dinge, über die ihr auf eurem Weg miteinander redet? 

Da blieben sie traurig stehen und der eine von ihnen – er hieß Kléopas – ant­wortete ihm: Bist du so fremd in Jerusalem, dass du als Einziger nicht weißt, was in diesen Tagen dort geschehen ist? Er fragte sie: Was denn? Sie antworteten ihm: Das mit Jesus aus Nazaret. Er war ein Prophet, mächtig in Tat und Wort vor Gott und dem ganzen Volk. Doch unsere Hohenpriester und Führer haben ihn zum Tod verurteilen und ans Kreuz schlagen lassen. Wir aber hatten gehofft, dass er der sei, der Israel erlösen werde. Und da­zu ist heute schon der dritte Tag, seitdem das alles geschehen ist. Doch auch einige Frauen aus unserem Kreis haben uns in große Aufregung ver­setzt. Sie waren in der Frühe beim Grab, fanden aber seinen Leichnam nicht. Als sie zurückkamen, erzählten sie, es seien ihnen Engel erschienen
und hätten gesagt, er lebe. Einige von uns gingen dann zum Grab und fan­den alles so, wie die Frauen gesagt hatten; ihn selbst aber sahen sie nicht.

Da sagte er zu ihnen: Ihr Unverständigen, deren Herz zu träge ist, um alles zu glauben, was die Propheten gesagt haben. Musste nicht der Christus das erleiden und so in seine Herrlichkeit gelangen? Und er legte ihnen dar, aus­gehend von Mose und allen Propheten, was in der gesamten Schrift über ihn geschrieben steht. 

So erreichten sie das Dorf, zu dem sie unterwegs waren. Jesus tat, als wolle er weitergehen, aber sie drängten ihn und sagten: Bleibe bei uns; denn es wird Abend, der Tag hat sich schon geneigt!

Da ging er mit hinein, um bei ihnen zu bleiben. Und es geschah: Als er mit ihnen bei Tisch war, nahm er das Brot, sprach den Lobpreis, brach es und gab es ihnen. Da wurden ihre Augen aufgetan und sie erkannten ihn; und er entschwand ihren Blicken. Und sie sagten zueinander: Brannte nicht unser Herz in uns, als er unterwegs mit uns redete und uns den Sinn der Schriften eröffnete?

Noch in derselben Stunde brachen sie auf und kehrten nach Jerusalem zu­rück und sie fanden die Elf und die mit ihnen versammelt waren. Diese sagten: Der Herr ist wirklich auferstanden und ist dem Simon erschienen. Da erzählten auch sie, was sie unterwegs erlebt und wie sie ihn erkannt hatten, als er das Brot brach.

 

Gedankensplitter und Ausblick in die Woche

Vielen ist sie gut vertraut, die biblische Erzählung von den beiden Emmaus­jüngern. Kleopas und sein Freund sind sicher bodenlos enttäuscht und zu­tiefst verunsichert, als sie am Osterabend in ihr Heimatdorf zurückkehren. Jesus ist gescheitert, die Hoffnung verschwunden: Das muss man erst ein­mal verarbeiten!

Sprung in das Jahr 2020: Corona-Krise! Viele sind verunsichert, wissen nicht, wie alles weitergehen soll. Sorge um kranke Angehörige. Sorge um die Existenz. Sorge um den Alltag. Das muss man erst einmal ver­arbeiten!

Die beiden Jünger tauschen ihre Gedanken aus. Sie sprechen sich Mut zu. Allein die Tatsache, dass sie jemanden zum Reden haben, ist schon viel wert! Und dann lassen sie sich auf einen gänzlich Fremden ein, der mit ihnen geht.

Nicht alle haben in diesen Tagen jemanden zum Reden, aber immerhin die meisten. Können wir uns auf etwas Neues und Fremdes einlassen? Im Alltag müssen wir das! Auch unser kirchlicher Alltag ist neu und fremd, aber sicher auch eine Chance! Haben wir verlernt oder nie ge­übt, mit Ehepartnern, Kindern, Verwandten oder Bekannten wirklich über das zu sprechen, was uns im Glauben trägt?

Bleib doch bei uns!, ist die Einladung von Emmaus. Die Jünger machen eine positive Erfahrung, als sie miteinander über die Hl. Schrift sprechen. Diese Erfahrung wollen sie intuitiv festhalten, als sie den Unbekannten zu sich einladen.

Auch wenn wir gerne an dem festhalten, was wir gelernt haben: Wir lernen gerade auch, wie wir unseren Glauben etwas anders leben können als bisher: Christus ist lebendig und ganz real erfahrbar im Wort der Heiligen Schrift. So lädt das persönliche Lesen und Meditie­ren der Schriftexte in diesen Wochen vielleicht intensiver als vorher zu der Frage ein: Wie begegnet mir Christus im Wort der Schrift; was bedeutet das für mich persönlich und meinen Alltag? Wir müssen Christus eigentlich nur zu uns einladen...

Die Jünger erkennen ihren Herrn, als er das Brot bricht. Doch dann entzieht er sich und entschwindet ihren Blicken. Sie können den Herrn nicht festhal­ten. Aber er bleibt anders und nachhaltiger bei ihnen. Eine Erfahrung, die sie handeln lässt! Sie brechen auf…

Viele fragen inzwischen ungeduldig: Wann können wir wieder das Brot miteinander brechen, also Hl. Messe feiern? Diese Frage ist berechtig­ter Ausdruck der Sehnsucht vieler. Aber unsere Kirche hat auch noch andere Dimensionen: solidarisch handeln, füreinander da sein und be­ten, kleine Zeichen der Verbundenheit setzten, initiativ werden. Auch das kann GOTTES-DIENST sein! Wohin brechen wir auf…?

 

Gebet

Gott, du hast dich uns durch die Ostergeheimnisse zugewendet und uns da­durch einen neuen Blick auf unser Leben geschenkt. Bleib du bei uns in al­len Herausforderungen unseres Alltags - bis auch wir zum unvergängli­chen Leben auferstehen.

Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn.

 

Segen

Es segne, bewahre und beschütze uns, die Menschen in unserer Pfarrei St. Johannes und die Welt, in der wir leben, der barmherzige Gott: 

der Vater und der Sohn und der Heilige Geist. Amen.

 

 

 

 

Impuls zum 2. Sonntag in der Osterzeit 2020

Pfarrer Bonifatius Müller

 

Freut euch und dankt Gott, der euch zu sich gerufen hat.
Ihr seid Kinder Gottes und Erben seiner Herrlichkeit. Halleluja. 

 

Esr 2, 36–37

 

Gebet

Gott, dein Sohn hat den Tod besiegt. Das gibt unserem Leben Sinn und Kraft, mutig und hoffnungsvoll unseren Glauben zu leben. Wir hoffen darauf, dass Du unseren Alltag begleitest.

Darum bitten wir durch ihn, Christus, unseren Herrn.

 

Evangelium

Joh 20, 19–31

+ Aus dem heiligen Evangelium nach Johannes 

Am Abend dieses ersten Tages der Woche, als die Jünger aus Furcht vor den Juden bei verschlossenen Türen beisammen waren, kam Jesus, trat in ihre Mitte und sagte zu ihnen: Friede sei mit euch! Nach diesen Worten zeigte er ihnen seine Hände und seine Seite. Da freuten sich die Jünger, als sie den Herrn sahen. Jesus sagte noch einmal zu ihnen: Friede sei mit euch! Wie mich der Vater gesandt hat, so sende ich euch.

Nachdem er das gesagt hatte, hauchte er sie an und sagte: Empfangt den Heiligen Geist! Denen ihr die Sünden erlasst, denen sind sie erlassen; denen ihr sie behaltet, sind sie behalten.

Thomas, der Dídymus genannt wurde, einer der Zwölf, war nicht bei ihnen, als Jesus kam. Die anderen Jünger sagten zu ihm: Wir haben den Herrn gesehen. Er entgegnete ihnen: Wenn ich nicht das Mal der Nägel an seinen Händen sehe und wenn ich meinen Finger nicht in das Mal der Nägel und meine Hand nicht in seine Seite lege, glaube ich nicht.

Acht Tage darauf waren seine Jünger wieder drinnen versammelt und Tho­mas war dabei. Da kam Jesus bei verschlossenen Türen, trat in ihre Mitte und sagte: Friede sei mit euch! Dann sagte er zu Thomas: Streck deinen Finger hierher aus und sieh meine Hände! Streck deine Hand aus und leg sie in meine Seite und sei nicht ungläubig, sondern gläubig! Thomas antwortete und sagte zu ihm: Mein Herr und mein Gott! Jesus sagte zu ihm: Weil du mich gesehen hast, glaubst du. Selig sind, die nicht sehen und doch glauben. 

Noch viele andere Zeichen hat Jesus vor den Augen seiner Jünger getan,
die in diesem Buch nicht aufgeschrieben sind. Diese aber sind aufgeschrieben, damit ihr glaubt, dass Jesus der Christus ist, der Sohn Gottes, und da­mit ihr durch den Glauben Leben habt in seinem Namen.

 

Gedankensplitter

Im Keller von meinem ehemaligen Pfarrhof auf Frauenchiemsee, da gab es einen Tresor, der einzige, den die Pfarrei besaß; aber er nutzte uns nichts. Wir hatten keinen Zugang. Die Schlüssel fehlten nämlich. Ich hab´s oft mit alten Schlüsseln probiert, aber da war nichts zu machen. Die Tür blieb verriegelt.

Ich denke mir, die Erfahrung, vor verschlossenen Türen zu stehen, die haben wir alle schon einmal gemacht. Entweder hatten wir selber den Schlüssel ver­gessen oder uns wird einfach nicht aufgemacht. Eine verschlossene Tür ist abweisend, hat etwas Depressives, etwas Ausschließendes an sich. Manchmal erleben wir das auch im übertragenen Sinn bei uns Menschen, auch in der Kirche so. Da ist die Tür zu der Person, zum Kontakt, zur Begegnung mit jemandem verschlossen. Man bemüht sich mit dem Zugehen auf jemand, mit Zuwendung zu jemand, aber die Tür dieses Menschen bleibt zu. Das fru­striert auf Dauer - besonders, wenn man in einer Gemeinschaft auf normale Begegnungen angewiesen ist. 

Jesus ist gekommen, so hören wir immer, nicht um das Gesetz aufzuheben, sondern es zu erfüllen. Aber sein Gesetz war das Gesetz der Liebe, auch der liebevollen Auslegung der Gesetze des Zusammenlebens und der Gemeinschaft - eben das Gesetz der Barmherzigkeit. Auf die Begegnung mit diesem barmherzigen Gott bereiten wir Jahr für Jahr unsere Kommunionkinder vor, dass sie Gottes Nähe am Weißen Sonntag wirklich zu spüren bekommen. Deshalb heißt dieser Sonntag seit dem Jahr 2000 in unserer Kirche auch Barmherzigkeitssonntag. Jesus kam im Evangelium eben bei verschlossenen Türen, um den Jüngern und damit auch uns, eine ganz neue, eine multidimensionale Tür zum Leben aufzumachen. 

Genau so ist er auf den „sogenannten“ ungläubigen Thomas zugegangen. Er hat ihn nicht gemaßregelt, nicht belehrt und nicht weggeschickt. In liebevoller Zuwendung hat er ihn eingeladen, seine Hand in seine Seite und auf seine verwundeten Hände zu legen. Er hat ihn eingeladen, zu glauben, Hand an ihn zu legen, handgreiflich zu werden. Jesus ist berührbar geworden und hat eine ganz intime Nähe zugelassen, damit ein Mensch in all seinen Zweifeln zum Glauben kommen kann. Und das geht nur durch Nähe – innere, wie äußere. „Barmherzigkeit verwandelt euer Leben“ hat Papst Franziskus einmal gesagt. Das ist Christentum pur. Da hat uns also jemand eine Tür aufgemacht, da hat uns jemand  „die“ Tür aufgemacht. Die Barmherzigkeit Gottes, die auch durch jeden von uns sichtbar und erfahrbar werden will, die ist der Schlüssel, ist der Passepartout zu den Menschen und zu all den Dimensionen, zu den neuen Welten Gottes, die in ganz ungeahntem Leben auf uns zukommen. Wenn Gott uns die Tür dorthin schon selber aufgemacht hat und sie immer wieder für uns aufhält, auch dann, wenn es uns hier in dieser Welt manchmal zum „Tür-zuknallen“ zumute ist, dann ist es doch schon eine Überlegung wert, ob wir nicht auch füreinander hier, in unseren alltäglichen Lebensräumen, in denen Gott uns zusammengeführt hat, endlich mit der Barmherzigkeit, die jedem von uns möglich ist, unsere Türen füreinander öffnen. Das ist es doch wirklich wert.

 

Gebet

Gott, du lädst uns immer wieder ein, gemeinsam die Tür zu Dir zu öffnen. 

Dadurch bekommen wir auch Mut, miteinander neue Schritte dort zu wa­gen, wo unsere Gemeinschaft belastet ist. Bleib Du an unserer Seite.

Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn.

 

Segen

Es segne, bewahre und beschütze uns, die Menschen in unserer Pfarrei St. Johannes und die Welt, in der wir leben, der barmherzige Gott: 

der Vater und der Sohn und der Heilige Geist. Amen.

 

Ausblick in die Woche

Hinter der Tür

Gott, Du hast uns die Tür zu Dir geöffnet.

Wir können hindurch gehen.

Dazu lädst Du uns ein - ununterbrochen:

weil Du unseren Blick ver-rücken möchtest,

damit wir mit Deinen Augen hinschauen

auf die Menschen und auf die Dinge dieser Welt…

weil Du uns erfahren lassen möchtest,

wie klar und einfach Dein Blick auf alles ist,

was wir anderen und uns so schwer machen…

weil Du uns keinen Druck machen möchtest,

dürfen wir entscheiden, 

ob und wann wir den so frei machenden Schritt wagen…

Gott, Du wirst uns auf der Türschwelle entgegen kommen,

wenn wir uns neugierig auf Dich einlassen,

Du wirst uns überraschen mit dem Leben „hinter der Tür“…

Gott, immer wirst Du uns dazu einladen.

awe   

 

 

 

Video zu Ostern

Osternacht

in St. Johannes, Lohmar
Pfarrer Markus Feggeler, Pater Jerry Matthew OCD

 






Impuls zu Ostern 2020

Pfarrer Markus Feggeler

 

 

Gebet

Du großer Gott, am heutigen Tag hast du durch deinen Sohn den Tod besiegt und uns den Zugang zum ewigen Leben erschlossen.
Darum begehen wir in Freude das Fest seiner Auferstehung.
Schaffe uns neu durch deinen Geist, damit auch wir auferstehen
und im Licht des Lebens unsren Alltag neu machen.
Darum bitten wir durch Jesus Christus.

 

Evangelium

Joh 20, 1 – 9

+ Aus dem heiligen Evangelium nach Johannes

Am ersten Tag der Woche kam Maria von Magdala frühmorgens, als es noch dunkel war, zum Grab und sah, dass der Stein vom Grab weggenommen war. Da lief sie schnell zu Simon Petrus und dem Jünger, den Jesus liebte, und sagte zu ihnen: Man hat den Herrn aus dem Grab weggenommen und wir wissen nicht, wohin man ihn gelegt hat.

Da gingen Petrus und der andere Jünger hinaus und kamen zum Grab; sie liefen beide zusammen dorthin, aber weil der andere Jünger schneller war als Petrus, kam er als erster ans Grab. Er beugte sich vor und sah die Leinenbinden liegen, ging aber nicht hinein. 

Da kam auch Simon Petrus, der ihm gefolgt war, und ging in das Grab hinein.  Er sah die Leinenbinden liegen und das Schweißtuch, das auf dem Kopf Jesu gelegen hatte; es lag aber nicht bei den Leinenbinden, sondern zusammengebunden daneben an einer besonderen Stelle.

Da ging auch der andere Jünger, der zuerst an das Grab gekommen war, hinein; er sah und glaubte.

Denn sie wussten noch nicht aus der Schrift, dass er von den Toten auferstehen musste. Dann kehrten die Jünger wieder nach Hause zurück. 

 

Gedankensplitter

„Dann kehrten die Jünger wieder nach Hause zurück“ – so lautet ausgerechnet der letzte Satz unseres österlichen Evangeliums. Die Jünger machen am leeren Grab die Erfahrung ihres Lebens: sie finden das Grab leer - und Sie kehren einfach nach Hause zurück. Da geschieht, was nach unserem Glauben die Welt aus den Angeln hebt und für immer verändert, aber die Jünger gehen erst einmal heim!

Ist das Rückzug in die „eigenen vier Wände“? Flucht vor dem Ungewohnten? Oder einfach die Zeit zum Nachdenken, die es braucht? Die Gelegenheit zum Austausch mit den anderen, die es zur Verarbeitung des Erlebten braucht? Sie hatten noch nicht aus der Schrift verstanden, dass er von den Toten auferstehen müsse, heißt es zur Begründung. Und viel­leicht ist das eine wichtige Einsicht: Ostern ist kein theoretisches Wissen. Da braucht es eine konkrete Erfahrung!

Erst am Osterabend wird den verängstigten Jüngern hinter verschlossenen Türen in den eigenen vier Wänden eine solche Erfahrung geschenkt. Jesus kommt in ihre Mitte, macht sich berührbar und inspiriert sie mit Heiligem Geist. Von diesem Erlebnis gestärkt geschieht österliche Verwandlung: vom Tod zum Leben, aus Verzagtheit mit Mut in die Zukunft, aus dem Rückzug in das Eigene hinaus in die Welt mit der Botschaft von der Auf­erstehung.

In diesen Tagen scheint uns der Rückzug in die eigenen vier Wände einfach vorgegeben. Zu Hause bleiben! Ostern erleben wir dieses Jahr vor allem daheim, nicht in der liturgischen Gemeinschaft unserer Gottesdienste, nicht in der Öffentlichkeit und auch kaum im erweiterten Kreis der Fami­lie. Für viele ist diese Erfahrung nicht nur völlig neu, sondern auch wirk­lich schmerzlich! 

Ostern ist ja mehr als nur ein theoretisches Wissen! Vielleicht ist gerade deshalb in der gegenwärtigen Krise eine österliche Erfahrung möglich, ähnlich wie sie die Jünger machen durften, als sie vom leeren Grab einfach nach Hause gehen: Zeit haben zum Nachdenken, zum Gebet, zum Austausch. Mut finden in der momentanen Besorgnis um Verwandte und Freunde. Der Gewissheit Raum geben, dass das Leben siegt über alle Widrigkeiten. Hoffnung schöpfen für eine positive Zukunft. Solidarisch handeln. Rücksicht nehmen.

„Seid gewiss: ich bin bei euch alle Tage bis zum Ende der Welt“, sagt der Auferstandene seinen Jüngern. Und wir können ergänzen: egal an welchem Ort und unter welchen Umständen! Halleluja! 

 

Glaubensbekenntnis

Wahrer Gott, wir glauben dir, / du bist mit Gottheit und Menschheit hier; du, der den Satan und Tod überwand, / der im Triumph aus dem Grabe erstand. / Preis dir, du Sieger auf Golgatha, / Sieger, wie keiner, halleluja.

Jesu, dir jauchzt alles zu: / Herr über Leben und Tod bist du. /In deinem Blute gereinigt von Schuld, / freun wir uns wieder der göttlichen Huld.

Gib, dass wir stets deine Wege geh'n, / glorreich wie du aus dem Grabe ersteh'n!

 

Segen

Der Herr segne uns und behüte uns.

Der Herr lasse sein Angesicht über uns leuchten und sei uns gnädig. 

Der Herr wende uns sein Angesicht zu und schenke uns Heil. 

Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen

 

Ausblick und Anstoß

Geschehen

Ostern: Was ist geschehen?
Wir hätten es gerne fotografiert, 

gefilmt, 

dokumentiert.

Auch der Glaube erzählt von Realität.

Menschen bezeugen Ostern:

Sie sehen sich von Gott eingeladen 

in ein Geschehen - 

von der Angst zum Vertrauen,

von der Resignation zur Begeisterung,

von der Trauer zur Hoffnung,

vom Tod zum Leben...

...mitten im Tag, 

mitten in der Nacht.               fsch

 

 

 

 

Impuls zum Karsamstag 2020

Pfarrer Bonifatius Müller

 

 

Vor allem anderen ist der Karsamstag der Tag der totalen Gottesfinsternis, des „Todes“ Gottes. Grabesruhe, Schweigens, eine Art von Leere und des Nichts. Da haben Menschen ihre Hoffnungen auf diesen Jesus begraben. Nichts ist ih­nen übriggeblieben, nur ein Schleier von Erinnerungen. Ihre Träume und Hoff­nungen – wie weggeblasen. Kein Halt, keine Haltung mehr. Der Karsamstag will diesem stummen Schreien Platz geben. All das darf sein – muss sein, weil das menschlich ist. Wir Menschen müssen immer wohin mit unserer Trauer. Auch wenn es an diesem Tag in unserer Kirche keine großen Liturgien, keine passend gestalteten Gottesdienste gibt, versuchen wir dem nachzugehen, was das heißt, wenn von Jesus berichtet wird: hinabgestiegen in das Reich des Todes.

Manchmal müssen wir lange in eine solche Stille hineinhorchen, um zu hören, was Gott uns sagen will. Das Schweigen des Karsamstags ist so etwas wie die Erwartung der ganzen Erde.  Alles wartet, dass Gott  handelt. Wir alle warten in unserem Leben oft  scheinbar vergeblich. Genau das ist Karsamstag.

 

***

Gebet

Gott, wenn wir uns an Dir festhalten, dann haben wir die Hände frei für unseren Nächsten. Eine ermutigende WhatsApp, das Telefonat mit einem Einsamen, die Tüte am Bauzaun, die Kerze im Fenster, das Gebet für alle an Corona Erkrankten… Lass uns Deine Nähe spüren, damit auch wir einander trotz Mindestabstand nahe sein können. Amen

 

Aus der Passion unseres Herrn Jesus Christus nach Johannes

Joh 19,38-42

Als das geschehen war, bat Josef aus Arimathäa Pilatus um die Erlaubnis, den Leichnam vom Kreuz abnehmen zu dürfen. Josef war ein Jünger von Jesus, aber nur heimlich, weil er vor den führenden Männern Angst hatte. Pilatus überließ ihm den Toten, und Josef ging und nahm ihn vom Kreuz ab.
Auch Nikodemus, der Jesus anfangs einmal bei Nacht aufgesucht hatte, kam dazu; er brachte ungefähr hundert Pfund Myrrhenharz mit Aloë. 

Die beiden nahmen den Leichnam von Jesus und wickelten ihn mit den Duftstoffen in Leinenbinden, wie es der jüdischen Begräbnissitte entspricht.

Nahe bei der Stelle, wo Jesus gekreuzigt worden war, befand sich ein Garten. Darin war eine neue Grabkammer, in der noch niemand gelegen hatte.
Dort hinein legten sie Jesus, weil es für die Juden der Vorbereitungstag auf den Sabbat* war und das Grab in der Nähe lag.

 

Gedankensplitter

Was passiert eigentlich, wenn alles ruhig ist?

Der Tag zwischen Karfreitag und Ostersonntag ist ein skuriler Tag. Ein Tag – irgendwie dazwischen, so als ob die Zeit anhält. Auch die Prediger verstum­men an solch einem Tag, weil endlich einmal nichts mehr gesagt werden muss – kann – sollte.

Was bleibt auch zu sagen übrig? Karfreitag ist alles schon passiert. Das Drama, das Aufwühlende, die Kreuzigung, also das Undenkbare ist vorbei.  Es gibt nichts mehr zu sagen - außer, es interessiert sich jemand für das, was Unsagbar ist, für das, was menschlichen Augen und Verstand Verborgenen bleibt, was in der Erde ruht. Für das, was mit dem Weizenkorn passiert, wenn es in die Erde fällt und stirbt, so wie der Evangelist Johannes es in seinem Bericht umschreibt (Joh 12,24). Wer schon einmal erleben musste, wie ein geliebter Mensch stirbt, vielleicht sogar plötzlich, schuldlos und un­wiederbringlich, der kennt dieses dumpfe Karsamstagsgefühl, diese Leere, diese Fassungslosigkeit, dieses bleierne Schweigen, das sich auf einem legt - wie ein kalter Schleier.

Am Karsamstag also, als die Jünger niedergeschlagen in ihre Häuser schleichen, Türen und Fenster aus Angst verriegeln und manche sogar abhauen und gehen, weil nichts mehr geht, genau da rumort es im „Untergrund“ in der „Unterwelt“. In dieser Zeit steigt Jesus hinab in das Reich der Toten, steigt in den Abgrund und bringt das Licht der Auferstehung genau da hin, wo das ewig Dunkle wohnt. Gott ist „nachtragend“. Allem, was tot ist, trägt er die frohe Nachricht nach: Der Tod ist besiegt und zwar ein für alle mal. Und genau das sprechen wir jedes Mal, wenn wir im Gottesdienst unser Glaubensbekenntnis  beten: „Gelitten unter Pontius Pilatus, gekreuzigt, gestorben und begraben, hinabgefahren in das Reich des Todes, am dritten Tage auferstanden von den Toten.“ In der frühen Zeit der Kirche hat man sich das noch stärker vorgestellt: Jesus steigt in das Totenreich und nimmt  all die wichtigen Glaubensträger des Alten Testaments an die Hand: Adam, Eva, Moses und viele mehr, und führt sie in ein Licht, das keinen Abend mehr kennt. Er zertritt das Tor zur Hölle und zerbricht die Barriere zwischen Gott und den Menschen.

Und deshalb muss der Karsamstag ein stiller, ein schweigender Tag sein, weil wir das Unsagbare nicht zerreden dürfen.

 

Segen

Gehen wir weitschauend, hellhörig, sprachbereit, mit geöffneten Händen und einem feinfühligen Herzen in unsere Zukunft.

Trennen wir Wichtiges von Oberflächlichem.

Freuen wir uns über die Menschen, denen wir begegnen - gelegen oder ungelegen.

Orientieren wir uns am LebensWeg deines Sohnes, Gott.

Dazu segne uns:

Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen

 

Ausblick und AnStoß

Auf einmal - nach und nach

Wenn sich viele Fragen zu einem großen Problem auftürmen, 

wächst der Wunsch nach einer schnellen Klärung, nach einer Lösung - 

am liebsten jetzt und auf einmal. 

Und es nervt uns, wenn dieser Weg nicht gelingt.

Doch dann wird uns auf einmal klar, 

dass die Fragen darauf warten, 

gestellt, verstanden, durchlitten, ausgehalten zu werden.

Fragen, Suchen und Zweifeln lohnt sich, 

und das braucht Zeit. 

Nach und nach erfreuen wir uns am Lösen, Finden und Vertrauen.

Die Menschen der vielen verschiedenen Ostererzählungen der Bibel leben uns dies vor. 

Der Osterglaube ist nicht auf einmal da, 

sondern er entsteht

fsch

 

 

 

Video zu Karfreitag

Die Feier vom Leiden und Sterben Christi

in Kreuzerhöhung, Scheiderhöhe
Pfarrer Bonifatius Müller

 






Impuls zum Karfreitag 2020

Pater Jerry Matthew OCD

 

Wir beten dich an, Herr Jesus Christus, und preisen dich,

denn durch dein heiliges Kreuz hast du die Welt erlöst.

 


Gebet

Kreuz, auf das ich schaue, steht als Zeichen da; der, der dem ich vertraue, ist in Dir mir nah.

Kreuz, zu dem ich fliehe aus der Dunkelheit; statt der Angst und Mühe ist nun Hoffnungszeit.

Kreuz, von dem ich gehe in den neuen Tag  bleib in meiner Nähe, dass ich nicht verzag.

 

Aus der Passion unseres Herrn Jesus Christus nach Johannes

Joh 19, 16b - 30

Sie übernahmen Jesus. Und er selbst trug das Kreuz und ging hinaus zur sogenannten Schädelstätte, die auf Hebräisch Golgota heißt. Dort kreuzig­ten sie ihn und mit ihm zwei andere, auf jeder Seite einen, in der Mitte aber Jesus. Pilatus ließ auch eine Tafel anfertigen und oben am Kreuz befestigen; die Inschrift lautete: Jesus von Nazaret, der König der Juden. 

Diese Tafel lasen viele Juden, weil der Platz, wo Jesus gekreuzigt wurde, nahe bei der Stadt lag. Die Inschrift war hebräisch, lateinisch und griechisch abgefasst. Da sagten die Hohepriester der Juden zu Pilatus: Schreib nicht: Der König der Juden, sondern dass er gesagt hat: Ich bin der König der Juden. Pilatus antwortete: Was ich geschrieben habe, habe ich geschrieben. 

Nachdem die Soldaten Jesus gekreuzigt hatten, nahmen sie seine Kleider und machten vier Teile daraus, für jeden Soldaten einen Teil, und dazu das Untergewand. Das Untergewand war aber ohne Naht von oben ganz durchgewoben. Da sagten sie zueinander: Wir wollen es nicht zerteilen, sondern darum losen, wem es gehören soll. So sollte sich das Schriftwort erfüllen: Sie verteilten meine Kleider unter sich und warfen das Los um mein Gewand. Dies taten die Soldaten. 

Bei dem Kreuz Jesu standen seine Mutter und die Schwester seiner Mutter, Maria, die Frau des Klopas, und Maria von Magdala. Als Jesus die Mutter sah und bei ihr den Jünger, den er liebte, sagte er zur Mutter: Frau, siehe, dein Sohn! Dann sagte er zu dem Jünger: Siehe, deine Mutter! Und von jener Stunde an nahm sie der Jünger zu sich. 

Danach, da Jesus wusste, dass nun alles vollbracht war, sagte er, damit sich die Schrift erfüllte: Mich dürstet. Ein Gefäß voll Essig stand da. Sie steckten einen Schwamm voll Essig auf einen Ysopzweig und hielten ihn an seinen Mund. Als Jesus von dem Essig genommen hatte, sprach er: Es ist vollbracht! Und er neigte das Haupt und übergab den Geist.

 

Gedankensplitter

Kreuz und Solidarität

Arbeitslos, beginnende Rezession, Einschränkungen in der Zeit der Ferien… Alles klingt nicht so schön, aber diese unangenehme lästige Zeit wollen wir gemeinsam überstehen. Die Stadtzentren und Fußgängerzonen sind leer und still. Einige von uns werden vielleicht in dieser Krise an Einsamkeit und an wirtschaftlichen Sorgen leiden; viele Menschen müssen durch Kurzarbeit und Arbeitslosigkeit finanzielle Einbußen hinnehmen und da­durch auch Abzüge bei der Rente; alte Menschen in Pflegeheimen verste­hen wahrscheinlich nicht die neuen Distanzregeln und sie werden vielleicht noch auf Angehörige warten. Diese schwere Zeit ist nicht einfach zu überstehen. „Richtet die Augen auf den Gekreuzigten und alles wird euch leicht werden. Wenn ich seine (Gottes) Liebe, die er zu mir hatte, be­trachtete, fasste ich wieder Mut, denn das Vertrauen auf seine Barmherzigkeit habe ich nie verloren, das Vertrauen auf mich selbst aber oft“, sagte die hl. Karmelitin Teresa von Avila. Je mehr wir es tun, desto inniger werden wir mit dem Gekreuzigten vereinigt sein. Ein alter Mensch sagte: „Ob du schläfst oder wachst, was du auch tust, wenn Gott dir vor Augen ist, kann dich der Feind in nichts erschrecken. Wenn dein Denken in Gott weilt, weilt auch die Kraft Gottes in dir.“

Obwohl wir in diesem Jahr in der Kirche die Karwoche nicht gemeinsam feiern können, werden wir nicht wegen Isolation und Ausgangsperre untergehen. Der Chance dieser Zeit liegt darin zu erkennen, was in unserem Leben sehr wichtig ist und sich dem egoistischen Wollen entzieht. Wir können erleben, was echte Freude im Familienzusammenhalt und Liebe für den Nächsten bedeutet. Dies ist möglich auch in der Zeit der Ausgangsperre, wenn z. B. einige Frauen Schutzmasken für die anderen nähen, bei einem kurzen Austausch mit den Nachbarn über Sicherheits­maßnahmen oder durch kleine solidarische Gesten denen gegenüber, die jetzt arbeitslos geworden sind. - Wir haben auch die traurige Geschichte in der chinesischen Provinz Hubei gelesen, wo der Vater des 17-jährigen Yan Cheng in Quarantäne genommen wurde und sein pflegebedürftiger Sohn alleine zuhause zurück blieb. Da der Junge weder sprechen noch laufen oder selbständig essen konnte, starb er nach einer Woche. 

Jesu Kreuz erinnert uns daran, wie groß und barmherzig seine Liebe für uns und alle Menschen ist. Die Solidarität Jesu mit denen, die in dieser Welt leiden, hat ihre größte Dichte im Kreuz. Und darin ruft er eben auch uns zur Solidarität auf mit denen, die sich im Leid befinden. Christen sollen sowohl ihr eigenes Kreuz tragen als auch Verantwortung für die Welt übernehmen: Einkauf für die älteren Nachbarn, ein Anruf bei einem alten Freund oder bei der Familie, eine Gutenachtgeschichte für die Enkel über Telefon, eine tröstende Begegnung mit den Traurigen usw. Das sind auch Verantwortungen von uns Christen, weil Christen Kreuz und Solidarität niemals voneinander trennen. 

Ein Bischof sagte einmal: „Ehe Gott ein Kreuz auf unsere Schultern legt, lässt er unsere Schultern wachsen, macht er uns stark durch seine Gnade.“ Wir verankern unseren Geist in Gott - und unsere Augen auf ihn! Dann haben wir keine Angst.

 

Segen

Es segne, bewahre und beschütze uns, die Menschen unserer Pfarrei St. Johannes und die Welt, in der wir leben, der barmherzige Gott: 

der Vater und der Sohn und der Hl. Geist. Amen.

 

Ausblick und AnStoß

Karfreitag in unserem Leben...

ein Tag - der uns verzweifeln lässt

ein Tag - an dem alles zusammenbricht 

ein Tag - an dem wir resignieren möchten

ein Tag ohne jeden Lebenssinn

auch ein Tag - an dem wir aufwachen können

auch ein Tag - an dem wir Gottes Nähe spüren

auch ein Tag - der uns Grenzen zeigt

auch ein Tag mit neuen Perspektiven 

ein Karfreitag - ein Tag, dem auch ein Ostern folgen wird.   

awe

 

 

 

Video

Andacht zum Gründonnerstag

in St. Mariä Geburt, Birk
Pastoralreferent Mattia Zurlo

 






Impuls zum Gründonnerstag 2020

Pfarrer Bonifatius Müller

 

Wir rühmen uns des Kreuzes unseres Herrn Jesus Christus.
In ihm ist uns Heil geworden und Auferstehung und Leben.
Durch ihn sind wir erlöst und befreit.

 


Gebet

Allmächtiger Gott, am Abend vor seinem Leiden hat dein geliebter Sohn der Kirche das Opfer des Neuen und Ewigen Bundes anvertraut und das Gastmahl seiner Liebe gestiftet.
Gib, dass wir aus diesem Geheimnis die Fülle des Lebens und der Liebe empfangen. Darum bitten wir durch ihn, Jesus Christus.

 

Evangelium

Joh 13, 1-15

+ Aus dem heiligen Evangelium nach Johannes

Es war vor dem Paschafest. Jesus wusste, dass seine Stunde gekommen war, um aus dieser Welt zum Vater hinüberzugehen. Da er die Seinen liebte, die in der Welt waren, liebte er sie bis zur Vollendung.

Es fand ein Mahl statt und der Teufel hatte Judas, dem Sohn des Simon Iskáriot, schon ins Herz gegeben, ihn auszuliefern.

Jesus, der wusste, dass ihm der Vater alles in die Hand gegeben hatte
und dass er von Gott gekommen war und zu Gott zurückkehrte, stand vom Mahl auf, legte sein Gewand ab und umgürtete sich mit einem Lei­nentuch. Dann goss er Wasser in eine Schüssel und begann, den Jüngern die Füße zu waschen und mit dem Leinentuch abzutrocknen, mit dem er umgürtet war. Als er zu Simon Petrus kam, sagte dieser zu ihm: Du, Herr, willst mir die Füße waschen? Jesus sagte zu ihm: Was ich tue, verstehst du jetzt noch nicht; doch später wirst du es begreifen. Petrus entgegnete ihm: Niemals sollst du mir die Füße waschen! Jesus erwiderte ihm: Wenn ich dich nicht wasche, hast du keinen Anteil an mir. Da sagte Simon Pe­trus zu ihm: Herr, dann nicht nur meine Füße, sondern auch die Hände und das Haupt. 

Jesus sagte zu ihm: Wer vom Bad kommt, ist ganz rein und braucht sich nur noch die Füße zu waschen. Auch ihr seid rein, aber nicht alle. Er wusste nämlich, wer ihn ausliefern würde; darum sagte er: Ihr seid nicht alle rein.

Als er ihnen die Füße gewaschen, sein Gewand wieder angelegt und Platz genommen hatte, sagte er zu ihnen: Begreift ihr, was ich an euch getan ha­be? Ihr sagt zu mir Meister und Herr und ihr nennt mich mit Recht so; denn ich bin es. Wenn nun ich, der Herr und Meister, euch die Füße gewaschen habe, dann müsst auch ihr einander die Füße waschen. Ich habe euch ein Beispiel gegeben, damit auch ihr so handelt, wie ich an euch gehandelt habe.

 

Gedankensplitter

Ein Leben, das nur um sich selbst kreist, wird langweilig und arm. Es lohnt sich, für eine gute Sache einzutreten. So viele Menschen tun das gerade in diesen Tagen. Sehen, wo andere Hilfe brachen. Sich engagieren in der Nachbarschaftshilfe, als Krankenschwestern, Ärzte und Pfleger im Kran­kenhaus. Als Kassiererinnen im Laden um die Ecke oder auch als Kunde, der vor einem fast leeren Regal noch ein Paket Klopapier für andere übrig lässt. Sie tun es als Polizisten, als Zulieferer von Lebensmitteln oder ver­antwortungsbewusste PolitikerInnen; als Menschen in der Seelsorge und in so vielen anderen Bereichen der Mitmenschlichkeit. Danke. Danke. Damit könnte man jetzt eigentlich schon Schluss machen, denn die Ansprachen am Gründonnerstag werden oft als Aufforderung zum Dienen verstanden, zu ehrenamtlichem Engagement und Nächstenliebe. Das alles findet meine vollste Zustimmung. 

Aber was unterscheidet uns Christen denn dann von anderen, die auch gu­te, verantwortungsvolle und geradlinige Menschen sind, die aber nichts mit Christus zu tun haben und es vielleicht auch nicht wollen. Müssen wir uns denn überhaupt unterscheiden - wollen wir das denn überhaupt? Ist es noch opportun, sich in unseren Tagen als Christ zu outen – da werden man­che sehr perplex sein? Die Jünger, die mit Jesus damals im Abend­mahlssaal zusammen waren, die werden auch ziemlich perplex gewesen sein, als er den eigentlich unveränderbaren Ritus des jüdischen Passahmahles ändert und ihnen da auf einmal das Brot und den Wein mit den Worten reicht: nehmt, das ist mein Fleisch, das ist mein Blut. Er setzt da auf einmal ein neues, ein ganz eigenes Testament ein. 

Die Juden, und wir zusammen mit ihnen, erinnern uns in jeder Passah-Fei­er an das, was Gott getan hatte, damals beim Auszug aus der Sklaverei zu Ägypten. Und wir erinnern uns, dass Gott auch heute noch immer derselbe ist und dasselbe tun will. Unser Herr und Meister Jesus schließt da einen Bund, einen Gottesvertrag mit den Menschen, den wir nie wieder brechen können. Er wandelt alles Lebensfeindliche und Menschenverachtende in eine lebendige Beziehung zu unserem Gott. Und deshalb wandelt sich auch auf sein Wort hin bis heute die Materie dieser Welt, wandeln sich Brot und Wein in die lebendige Gegenwart Christi in unserer Mitte. Er stiftet eine Gemeinschaft, in der wir alle bis heute, bis in unser Jahr 2020, noch am gemeinsamen Tisch mit ihm sitzen. 

Wenn Gott an uns Menschen handelt, dann tut er das immer konkret und nicht nur in Bildern und Symbolen. Ich kann einen Menschen nicht nur symbolisch lieben, sondern nur mit Herz und Seele, mit Fleisch und Blut. Deshalb will dieser Christus auch, dass wir ihn uns nicht nur in Fleisch und Blut übergehen lassen sollen, sondern wir sollen genauso wie er runter müssen auf die Knie, wie das Evangelium heute berichtet, und uns gegen­seitig die Füße waschen, uns gegenseitig aufrichtig umeinander kümmern und Menschen füreinander sein. Dann ist der Dienst in der heiligen Eucha­ristiefeier genauso wichtig und achtenswert, wie in diesen Tagen der Dienst am Krankenbett und an der Ladenkasse. Überall da hält uns nämlich Christus seine Füße hin. Dann ist es so, als ob uns Jesus in den gewandel­ten Gestalten von Brot und Wein sagen möchte: Hab keine Angst! Ich bin da! Wenn du mich im Brot des Lebens in dich aufnimmst, so will ich in dir sein, so will ich dir jeden Moment deines Lebens näher sein als dein eige­ner Herzschlag es ist. 

Gemeinschaft in der Kirche wird erst dort wirklich Gemeinschaft, wenn wir uns von Jesus die Füße waschen lassen und manchmal auch den Kopf. Dann geschieht erst dort eine Wirklichkeit, die diese Welt verändern kann, auch in allen Viruskrisen und Wandlungen unserer Tage, wenn wir uns mit ihm an den Tisch der Sehnsucht setzen, der niemals leer wird. Niemals.

 

Gebet

Gott, du hast uns heute durch unsere Miteinander und durch deine Nähe Mut für die Zukunft gegeben. Gib du uns auch die Kraft, unser Handeln am gelebten Beispiel Deines Sohnes zu orientieren. 

Darum bitten wir durch ihn, Christus, unseren Herrn.

 

Segen

Es segne, bewahre und beschütze uns, die Menschen unserer Pfarrei St. Johannes und die Welt, in der wir leben, der barmherzige Gott: 

der Vater und der Sohn und der Hl. Geist. Amen.

 

Ausblick und AnStoß

Die kommenden Tage

Eine Woche wie jede andere? 
Die Welt dreht sich doch wie eh und je...
Ach so: Die Osterferien haben begonnen - 

Urlaubszeit...

Ist die Frage veraltet, 

was mir "heilig" ist, 

was zum innersten Kern meines Lebens gehört?

Palmsonntag bis Ostern wird die "Heilige Woche" genannt - 
eine Zeit, in der ich mein Leben ins Spiel bringe

und in Beziehung setze zu Gott...,

der sich finden lässt...                            fsch

 

 

 

Video zu Palmsonntag

Palmweihe in St. Mariä Himmelfaht, Neuhonrath

Pfarrer Markus Feggeler, Diakon Achim Roos

 






Impuls zum Palmsonntag 2020

Pfarrer Markus Feggeler

 

Verschaff mir Recht, o Gott,

Hosanna dem Sohne Davids!   

Gepriesen, der kommt im Namen des Herrn.

Mt 21, 9

 

Gebet

Allmächtiger Gott,

am heutigen Tag huldigen wir Christus in seinem Sieg.

Mehre unseren Glauben und unsere Hoffnung,

erhöre gnädig unsere Bitten und lass uns in Christus

die Frucht guter Werke bringen.

Darum bitten wir durch ihn, Christus, unseren Herrn.

 

Evangelium

Mt 21, 1-11

+ Aus dem heiligen Evangelium nach Matthäus

Als sich Jesus mit seinen Begleitern Jerusalem näherte und nach Betfage am Ölberg kam, schickte er zwei Jünger voraus und sagte zu ihnen: Geht in das Dorf, das vor euch liegt; dort werdet ihr eine Eselin angebunden finden und ein Fohlen bei ihr. Bindet sie los, und bringt sie zu mir!

Und wenn euch jemand zur Rede stellt, dann sagt: Der Herr braucht sie, er lässt sie aber bald zurückbringen. Das ist geschehen, damit sich erfüllte, was durch den Propheten gesagt worden ist: Sagt der Tochter Zion: Siehe, dein König kommt zu dir. Er ist friedfertig, und er reitet auf einer Eselin und auf einem Fohlen, dem Jungen eines Lasttiers.

Die Jünger gingen und taten, was Jesus ihnen aufgetragen hatte. Sie brachten die Eselin und das Fohlen, legten ihre Kleider auf sie, und er setzte sich darauf.

Viele Menschen breiteten ihre Kleider auf der Straße aus, andere schnitten Zweige von den Bäumen und streuten sie auf den Weg. 

Die Leute aber, die vor ihm hergingen und die ihm folgten, riefen: Hosanna dem Sohn Davids! Gesegnet sei er, der kommt im Namen des Herrn. Hosanna in der Höhe!

Als er in Jerusalem einzog, geriet die ganze Stadt in Aufregung, und man fragte: Wer ist das? Die Leute sagten: Das ist der Prophet Jesus von Nazaret in Galiläa.

 

Gedankensplitter

Mit dem Hosanna des Palmsonntages starten wir in diesem Jahr in eine Karwoche, wie wir sie vielleicht noch nicht erlebt haben. Beim Einzug des Herrn in seine Stadt begleiteten ihn Jubelrufe und Freudenbekundungen der Menschen. Königliche Würde verbindet sich zugleich mit dem Verzicht auf weltliche Macht: nicht „hoch zu Ross“, sondern auf einem Esel, dem Lasttier der einfachen Leute, kommt der Friedenskönig. Er kommt in Demut und mit Güte, nicht mit Pauken und Trompeten. Sein Reich ist nicht von dieser Welt. Seine Macht ist die Macht der Liebe!

In diesem Jahr scheint alles so anders: ein unscheinbar kleines Virus zwingt die ganze Welt zur Reaktion. So sind wir herausgefordert, den Weg des Herrn vielleicht anders mitzugehen, als wir es gewohnt waren: kein öffentlicher Gottesdienst, keine Palmprozession, kein Hosanna in großer Menge. Dafür aber die feste Gewissheit, dass unser König kommt; dass er Frieden bringt auch in bewegten Zeiten; dass er für uns einen Weg geht, der uns alle durch das Leiden und Kreuz zum Leben führt; dass er durch seinen Tod und seine Auferstehung jede Macht besiegt hat, die unser Leben bedroht!

Wer den Weg des Herrn vom Palmsonntag bis Ostern und darüber hinaus mitgehen möchte, der kann dies eigentlich nur in gelebter Solidarität mit denen tun, die in unseren Tagen in Not sind: Nicht wenige sind bedroht von Krankheit und Tod. Viele sind verunsichert oder isoliert. Existenzen stehen auf dem Spiel!

Zugleich sehe ich in allen Herausforderungen der gegenwärtigen Krise auch Chancen. Wir sind gezwungen, gewohnte Wege zu verlassen und neue zu finden. Das betrifft unsere Art zu wirtschaften und zu konsumieren ebenso wie die Frage, welche Dinge im Leben wirklich von Bedeutung sind und welche vielleicht zweitrangig oder verzichtbar. Viele positive Beispiele gelebter Solidarität machen Mut.

In diesen Tagen blicke ich häufiger auf ein Kreuz, dass mein Onkel als gelernter Bauschlosser vor vielen Jahren für mich angefertigt hat. Unsere ganze Welt, symbolisiert in der goldenen Kugel, ist geheimnisvoll gehalten vom Kreuz. Auch wenn wir auf die Krise unserer Zeit vielleicht noch keine fertige Antwort haben und viele angesichts der Bedrohung (ver-)zweifeln: Im Kreuz, das in diesen Kartagen aufstrahlt, steckt Gottes Kraft und Weisheit (1 Kor).

 

Möge der gesegnete grüne Palm, den wir jetzt wieder frisch an unsere Kreuze stecken, für uns ein besonderes Zeichen der Hoffnung sein!

 

Gebet

Herr, unser Gott, du hast uns durch unsere Gemeinschaft gestärkt. 

Durch das Sterben deines Sohnes gibst du uns die Kraft,

das Leben zu erhoffen, das uns der Glaube verheißt.

Gib uns durch seine Auferstehung die Gnade,

das Ziel unserer Pilgerschaft zu erreichen.

Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn.

 

Segen

Es segne, bewahre und beschütze uns, die Menschen in unserer Pfarrei St. Johannes und die Welt, in der wir leben, der barmherzige Gott: der Vater und der Sohn und der Heilige Geist. Amen.

 

Ausblick in die Karwoche

„In der Corona-Pandemie kommt man mit einem Schönwettergott nicht weiter!“, schreibt der bekannte Psychiater, Theologe und Autor Manfred Lütz vor wenigen Tagen in einem Interview. Als Christen glauben wir an einen mitleidenden Gott, der uns gerade im Leid nahe ist, weil er es selbst durchlebt hat. Er hat das Leid aber auch verwandelt und damit ein Leben in Fülle möglich gemacht, das keinen Tod und keine Bedrohung mehr fürchten muss.

Wer wenn nicht wir Christen können deshalb auch in schweren Zeiten eine Hoffnung haben, die mehr ist als ein Trostpflaster. Die Christen aller Zeiten glaubten an keinen Schönwettergott. Sie glaubten an einen Gott, der wirk­lich alles zum Guten führt.

So sind wir eingeladen, auch in dieser Karwoche den Weg des Herrn auf unsere je eigene Weise mitzugehen, der ihn vom Hosianna des Palmsonnta­ges über das letzte Abendmahl und den Verrat bis an das Kreuz und weiter geführt hat.

Vielleicht entdecken wir neu die Bedeutung, die darin auch für unser eige­nes Leben liegt. Das (geistliche) Lesen und der innere Nachvollzug der Pas­sionsgeschichte, das persönliche Gebet oder auch kurze liturgische Feiern an den so bedeutsamen Kar- und Ostertagen im kleinen Kreis der Familie können uns zu einer österlichen Erfahrung führen:

  • Was bedeutet für mich der Leidensweg, den Jesus gegangen ist?
  • Was gibt mir Hoffnung für die Welt? Für meine Familie? Für mich?
  • Welche (österliche) Erfahrung trägt mich im Leben?

 

 

 

 

 

Impuls zum 5. Fastensonntag

Pater Jerry Matthew OCD

 

Verschaff mir Recht, o Gott,

und führe meine Sache gegen ein treuloses Volk!

Rette mich vor bösen und tückischen Menschen,

denn du bist mein starker Gott.              

 Ps 43 (42), 1-2

 

Gebet

Herr, unser Gott,

dein Sohn hat sich aus Liebe zur Welt

dem Tod überliefert.

Lass uns in seiner Liebe bleiben

und mit deiner Gnade aus ihr leben.

Darum bitten wir durch Jesus Christus.

 

Evangelium

Joh 11, 1-45

+ Aus dem heiligen Evangelium nach Johannes

In jener Zeit sandten die Schwestern des Lazarus Jesus die Nachricht: Herr, dein Freund ist krank. Als Jesus das hörte, sagte er: Diese Krankheit wird nicht zum Tod führen, sondern dient der Verherrlichung Gottes: Durch sie soll der Sohn Gottes verherrlicht werden. Denn Jesus liebte Marta, ihre Schwester und Lazarus. Als er hörte, dass Lazarus krank war, blieb er noch zwei Tage an dem Ort, wo er sich aufhielt. Danach sagte er zu den Jüngern: Lasst uns wieder nach Judäa gehen.

Als Jesus ankam, fand er Lazarus schon vier Tage im Grab liegen. 

Als Marta hörte, dass Jesus komme, ging sie ihm entgegen, Maria aber blieb im Haus. Marta sagte zu Jesus: Herr, wärst du hier gewesen, dann wäre mein Bruder nicht gestorben. Aber auch jetzt weiß ich: Alles, worum du Gott bittest, wird Gott dir geben.

Jesus sagte zu ihr: Dein Bruder wird auferstehen. Marta sagte zu ihm: Ich weiß, dass er auferstehen wird bei der Auferstehung am Letzten Tag. Jesus erwiderte ihr: Ich bin die Auferstehung und das Leben. Wer an mich glaubt, wird leben, auch wenn er stirbt, und jeder, der lebt und an mich glaubt, wird auf ewig nicht sterben. Glaubst du das? Marta antwortete ihm: Ja, Herr, ich glaube, dass du der Messias bist, der Sohn Gottes, der in die Welt kommen soll.

Jesus war im Innersten erregt und erschüttert. Er sagte: Wo habt ihr ihn bestattet? Sie antworteten ihm: Herr, komm und sieh! Da weinte Jesus.

Die Juden sagten: Seht, wie lieb er ihn hatte! Einige aber sagten: Wenn er dem Blinden die Augen geöffnet hat, hätte er dann nicht auch verhindern können, dass dieser hier starb

38Da wurde Jesus wiederum innerlich erregt, und er ging zum Grab. Es war eine Höhle, die mit einem Stein verschlossen war. Jesus sagte: Nehmt den Stein weg! Marta, die Schwester des Verstorbenen, entgegnete ihm: Herr, er riecht aber schon, denn es ist bereits der vierte Tag. Jesus sagte zu ihr: Habe ich dir nicht gesagt: Wenn du glaubst, wirst du die Herrlichkeit Gottes sehen? 

Da nahmen sie den Stein weg. Jesus aber erhob seine Augen und sprach: Vater, ich danke dir, dass du mich erhört hast. Ich wusste, dass du mich immer erhörst; aber wegen der Menge, die um mich herum steht, habe ich es gesagt; denn sie sollen glauben, dass du mich gesandt hast. 

Nachdem er dies gesagt hatte, rief er mit lauter Stimme: Lazarus, komm heraus! Da kam der Verstorbene heraus; seine Füße und Hände waren mit Binden umwickelt, und sein Gesicht war mit einem Schweißtuch verhüllt. Jesus sagte zu ihnen: Löst ihm die Binden, und lasst ihn weggehen!

Viele der Juden, die zu Maria gekommen waren und gesehen hatten, was Jesus getan hatte, kamen zum Glauben an ihn.

 

Gedankensplitter

Der 5. Fastensonntag wird auch "Passionssonntag" genannt. Die Kreuze in unseren Kirchen werden verhüllt. An das Leiden und Sterben Jesu müssen wir denken, um uns über die Auferstehung freuen zu können. Im Evange­lium geht es heute um die Erweckung des Lazarus.  

„Wenn du glaubst, wirst du die Herrlichkeit Gottes sehen“, lesen wir im heu­tigen Evangelium. „Es ist ernst. Nehmen Sie es auch ernst“, ist der Ap­pell der Bundeskanzlerin zu der schweren Situation. Aber trotzdem hören wir auch viel über „Corona Partys“, Kontaktverbot und den nötigen „Buß­geld­katalog für Corona-Sünder“. Respekt haben, die richtige Wertschät­zung und Verständnis, Hoffnung und Gebete sind christlich und werden von Menschen in dieser Zeit mehr als sonst erwartet. Wir leben in einer Gesell­schaft, in der Menschen einander helfen und unterstützen können. Wir soll­ten als Christen entsprechend reagieren. 

Solch eine Situation wie diese haben wir noch nie im Leben erfahren. In der Familie von den Eltern, in der Gesellschaft von den sozialen Diensten, in der Wirtschaft von den Politikern und in der Kirche von den Geistlichen hören wir in dieser schweren Situation den gleichen Satz aus der Bibel oder den Satz, nur anders formuliert „Wenn du glaubst, wirst du die Herr­lichkeit Gottes sehen“ und wir werden es überstehen.

Es soll nicht eine Zeit des Vertrauensverlustes sein, sondern jedes Haus soll in ein Gotteshaus verwandelt werden, wo wir zusammen beten, wo wir den Zusammenhalt noch intensiver erfahren, der uns Kraft im Leben gibt, wo die Hoffnung niemals aufgegeben wird und gegen die Schwie­rigkeiten gekämpft wird mit allen Sicherheitsmaßnahmen, die möglich sind. Gott will auch menschliche Bereitschaft und Unterstützung dazu ge­ben, wenn er ein Wunder tut. „Nehmt den Stein weg“, sagte Jesus den Menschen, die zum Grab des Lazarus kommen. Den Stein wegwälzen heißt: auch wenn nach außen nichts mehr zu machen ist, ist Auferstehung den­noch möglich. Im Evangelium ruft Jesus mit lauter Stimme: „Lazarus, komm heraus!“ Das heißt: kommt heraus aus der Höhle eures Egoismus und eu­rer Selbstsucht, aus eurem mangelnden Vertrauen, aus jedem Grab und je­dem toten Winkel eures Lebens. Kommt heraus! Steht auf und ändert euch, werdet neue Menschen und seid bereit, die Herrlichkeit Gottes zu er­fahren. 

 

Gebet

Allmächtiger Gott,

du hast uns das Sakrament der Einheit geschenkt.

Lass uns immer lebendige Glieder Christi bleiben 

und mutig in die Zukunft gehen.

Darum bitten wir durch ihn, Christus, unseren Herrn.

 

Segen

Es segne, bewahre und beschütze uns, die Menschen unserer Pfarrei St. Johannes und die Welt, in der wir leben, der barmherzige Gott: 

der Vater und der Sohn und der Heilige Geist. Amen.

 

Ausblick in die Woche

Sich frei machen von den Alt-Lasten unserer Selbstverständlichkeiten -

Platz schaffen für einen neuen ver-rückten Blick auf unsere Welt.

Eigene Begrenzungen weg-leben und

durch neue Grenzen frei werden.

Gott, weil dein JA zu uns durch das lebendige Beispiel Deines Sohnes

G r e n z e n-los wurde.                                    

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Impuls zum 4. Fastensonntag

Pfarrer Bonifatius Müller

Laetare 2020

Laetare

Seit alters her heißt der 4. Sonntag in der Fastenzeit „Laetare“, also über­setzt: Freuet euch. Vom ersten Wort des Eröffnungsliedes der alten Choral­messen, be­kamen die Sonntage ihren Namen. Mitten in der Vorbereitungs­zeit auf Ostern hält der 4. Sonntag in der Fastenzeit mit seinen Texten schon einen frohen Ausblick auf die kom­mende Freude des Osterfestes. Laetare, freuet Euch. Dieser Text kommt uns allen in diesen Tagen, die so bestimmt sind von den Schatten des Corona-Virus, der über die Menschen dieser Erde gefallen ist, nicht so leicht über die Lippen. Der nachstehende Impuls möchte eine Anregung sein.

Laetare. Freue dich, Stadt Jerusalem!

Seid fröhlich zusammen mit ihr, alle, die ihr traurig wart.

Freut euch und trinkt euch satt an der Quelle göttlicher Tröstung.

(Jes 66, 10-11)

Gebet

Herr, unser Gott, du hast in deinem Sohn die Menschheit auf wunderbare Weise mit dir versöhnt. Gib deinem Volk einen hochherzigen Glauben, damit es mit froher Hingabe dem Osterfest entgegeneilt. Durch Jesus Christus, unseren Herrn, bitten wir dich.

 

Evangelium

Joh 9, 1-41

+ Aus dem heiligen Evangelium nach Johannes

In jener Zeit sah Jesus einen Mann, der seit seiner Geburt blind war. Jesus spuckte auf die Erde; dann machte er mit dem Speichel einen Teig, strich ihn dem Blinden auf die Augen und sagte zu ihm: Geh und wasch dich in dem Teich Schiloach! Schiloach heißt übersetzt: Der Gesandte. Der Mann ging fort und wusch sich. Und als er zurückkam, konnte er sehen. Die Nachbarn und andere, die ihn früher als Bettler gesehen hatten, sagten: Ist das nicht der Mann, der dasaß und bettelte? Einige sagten: Er ist es. Andere meinten: Nein, er sieht ihm nur ähnlich. Er selbst aber sag­te: Ich bin es.

Da brachten sie den Mann, der blind gewesen war, zu den Pharisä­ern.

Es war aber Sabbat an dem Tag, als Jesus den Teig gemacht und ihm die Augen geöffnet hatte. Auch die Pharisäer fragten ihn, wie er sehend ge­worden sei. Der Mann antwortete ihnen: Er legte mir einen Teig auf die Augen; dann wusch ich mich, und jetzt kann ich sehen.

Einige der Pharisäer meinten: Dieser Mensch kann nicht von Gott sein, weil er den Sabbat nicht hält. Andere aber sagten: Wie kann ein Sünder solche Zeichen tun? So entstand eine Spaltung unter ihnen. Da fragten sie den Blinden noch einmal: Was sagst du selbst über ihn? Er hat doch deine Augen geöffnet. Der Mann antwortete: Er ist ein Prophet. Sie entgegne­ten ihm: Du bist ganz und gar in Sünden geboren, und du willst uns beleh­ren? Und sie stießen ihn hinaus. Jesus hörte, dass sie ihn hinausgestoßen hat­ten, und als er ihn traf, sagte er zu ihm: Glaubst du an den Menschen­sohn? Der Mann antwortete: Wer ist das, Herr? Sag es mir, damit ich an ihn glaube. Jesus sagte zu ihm: Du siehst ihn vor dir; er, der mit dir re­det, ist es. Er aber sagte: Ich glaube, Herr! Und er warf sich vor ihm nieder.

 

Gedankensplitter

Jesus heilt heute die Blindheit eines Menschen, damit die, die angeblich sehen, die Frommen, die Gelehrten aus dem Tempel und die Priester er­kennen sollen, dass Gott allein sehend machen kann, dass Gott allein die Zeichen der Zeit sendet und deutet - keine falschen Propheten, auch wenn sie in noch so frommer Verpackung daherkommen. Das ist seine Einladung, dem Leben neu zu vertrauen. Er lädt uns ein, die Herausforderungen unseres eigenen Lebens wirklich anzunehmen und die Blindheiten unseres Herzens aufzuge­ben. Glaube und Vernunft gehören für ihn zusammen. Der alte Papst Benedikt hat das mal so formuliert: ohne Vernunft kann der Glaube zum Fundamentalismus entarten und ohne Glaube verselbststän­digt sich die Vernunft in die Zwecklosigkeit. Die Angst vor der Eigenart der anderen, lässt uns heute oft den Weg aus dem Auge verlieren, den wir Christen durch unsere Taufe mitbekommen haben. Ich bin der Weg, sagt uns dieser Christus, der jeden zu sich nach Hause kommen lässt - wirklich je­den von uns, der es aufrichtig will. Das ist Laetare, das heißt: freuet euch. Da ist keine Angabe über die Stra­ßenseite, kein Tempolimit, kein Stopp oder Verbotsschild, keine Einbahnstraße und kein Umweg. Da gibt es keine Reservierung für die breite Paradestraße oder für die holperige Feldwegstrecke. 

Wenn wir einmal aufrichtig und aufmerksam unsere Zeit ansehen, sind wir in den letzten Jahrzehnten in Europa eine Kirche geworden, die es schwer mit sich hat und es manchmal, zugegebenermaßen, den Menschen auch schwer macht. Sind wir nicht wirklich zu sehr auf uns selbst bezogen, wie Papst Franziskus es immer wieder an seiner Kirche kritisiert?! Wir sitzen oft wie auf einem Karussell und kreisen um Themen wie kirchliche Ämter, Machtverteilung und Zuständigkei­ten, um Zölibat und manches andere Zweit- und Drittrangige. Aber ein Karussell kommt nicht vom Fleck. Es be­wegt sich immer nur im Kreis, um sich selber, und wird oft genug eine beliebige Belustigung für die umstehenden „Schau-Lustigen“. Gerade un­sere so angeschla­gen Tage machen uns deutlich: es wird Zeit, von diesem Karussell abzusteigen und den Menschen zu zeigen: Wir glauben an Jesus Christus, weil er die Herzen der Menschen heilen kann - vor der Blind­heit des Herzens und vor allem von der Angst. Wir erflehen des­halb besonders seine Hilfe für unsere gerade so gefährdete Welt im Jahr 2020. 

Gerade jetzt können wir in der Liebe, in der Rücksichtnahme und im Re­spekt voreinander unser Christentum sichtbar werden lassen. Seien wir erfinderisch. Greifen wir zum Telefon und rufen Menschen an, die einsam und verängstigt sind. Lassen wir sie spüren „ich bin da“! Respektieren wir die notwendigen Einschränkungen unserer, uns ansonsten zustehenden Frei­heiten, damit wir die Herausforderungen dieser Pandemie gemeinsam bestehen können. Machen wir - nicht als Blinde -, sondern als Sehende öffentlich, dass unser Glaube kein Ka­russell ist, sondern den Menschen Heil und Segen bringen kann, den sogenannten Fernstehenden wie auch den nächsten Nahen. Dann ist "Laetare" trotz und mit Corona spürbar, dann erfahren wir tief in unserem Inneren: freuet euch. Das ist unser ganz großes Glück: Wir haben einen mitgehenden Gott, der an allen Weg­kreuzungen unseres Lebens, auch an den misslungenen, steht und uns sa­gen will „komm nach Hause, die Tür ist geöffnet, du brauchst dich nicht zu ängsti­gen, ich bin ja da, egal welchen Weg du gerade gehst oder auch gehen musst“. Wenn wir nach diesem Licht suchen, haben wir das Leben, nicht erst später, sondern jetzt schon, dann werden wir le­bendig sein und finden, was war wir suchen. Laetare: freuet euch.

 

Gebet

Allmächtiger Gott, dein ewiges Wort ist das wahre Licht, das jeden Men­schen erleuchtet. Heile die Blindheit unseres Herzens, damit wir auch in diesen so schweren Tagen erkennen, was wir tun können, und dich und die Men­schen aufrichtig lieben. Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn.

 

Segen

Es segne, bewahre und beschütze uns, die Menschen unserer Pfarrei St. Johannes und die Welt, in der wir leben, der barmherzige Gott: 

der Vater und der Sohn und der Hl. Geist. Amen.

 

Ausblick in die Woche

Jesus spricht ungern von "Gläubigen" und "Ungläubigen" oder von "Bekehr­ten" und "Unbekehrten" - er unterscheidet einfach zwischen Se­henden und Blinden. Damit macht er deutlich: Glauben erfordert keine be­sonderen Fä­higkeiten oder übermenschlichen Anstrengun­gen. Alles, was dazu notwen­dig ist, ist Offenheit. So wie man die Augen aufmacht, und sieht, was vor einem ist, so soll unser Herz, unsere ganze Person offen sein, es geschehen lassen, die uns die Sicht versperren. Getönte Brillen, die uns die Wirklich­keit verzerren. Man nennt das Ideologie, und es gibt kaum etwas, was Jesus so wü­tend macht, wie solche Denk­schablo­nen: Wenn Menschen nicht auf Menschen sehen, sondern auf ein System, eine Idee, irgendetwas, das wich­tiger ist als der Mensch, der gerade vor ihm steht.

Werner Tiki Küstenmacher

 

 

 

 

HausGottesdienste

Einladung

Ein kleines unscheinbares Virus bringt seit einigen Wochen so Vieles durcheinander. Wir alle müssen unseren Alltag umstellen und Gewohntes verlassen.  Es ist eine Zeit, in der auch unsere gottesdienstli­chen Ver­sammlungen nicht möglich sind. Unsere Kirchen sind wie gewohnt geöffnet. Seit dem 4. Fastensonntag haben wir Sie als Pastoralteam mit „Impulsen“ zum Sonntag begleitet.

Für uns alle ist die Zeit schwer. Wir brauchen viele Ideen, Mut und Orientierung. 

Zum ersten Mal erleben wir, dass wir uns an den Kar- und Ostertagen nicht zur Liturgie versammeln können. Das muss uns aber nicht daran hindern, im familiär/häuslichen Kreis sog. HausGottesdienste zu feiern. Auch das Gebet allein kann uns dem Sinn der Heiligen Woche näher bringen. Diese Idee hatten wir als Pastoralteam, als wir dafür ein kleines Heft zusammengestellt haben.

Nehmen Sie es als Vorschlag und Anregung für Ihre eigene Gestaltung. So hoffen wir, dass dieses Heft eine Möglichkeit und Hilfe für Sie ist, die Feiertage gemeinsam oder auch allein im Gebet zu gestalten - trotz der Einschränkung der öffentlichen Gottesdienste. Dieses Heft liegt in unseren Kirchen aus, Sie können es auch als pdf-Datei hier herunterladen.

Im Namen des ganzen Pastoralteams wünsche ich Ihnen, Ihren Familien, Freunden und Bekannten von Herzen gesegnete Kar- und Ostertage, verbunden mit der Erfahrung, dass unser Glaube uns auch in diesen Zeiten trägt.

Ihr Pfarrer Markus Feggeler