Impuls zum 5. Fastensonntag

Pater Jerry Matthew OCD

 

Verschaff mir Recht, o Gott,

und führe meine Sache gegen ein treuloses Volk!

Rette mich vor bösen und tückischen Menschen,

denn du bist mein starker Gott.              

 Ps 43 (42), 1-2

 

Gebet

Herr, unser Gott,

dein Sohn hat sich aus Liebe zur Welt

dem Tod überliefert.

Lass uns in seiner Liebe bleiben

und mit deiner Gnade aus ihr leben.

Darum bitten wir durch Jesus Christus.

 

Evangelium

Joh 11, 1-45

+ Aus dem heiligen Evangelium nach Johannes

In jener Zeit sandten die Schwestern des Lazarus Jesus die Nachricht: Herr, dein Freund ist krank. Als Jesus das hörte, sagte er: Diese Krankheit wird nicht zum Tod führen, sondern dient der Verherrlichung Gottes: Durch sie soll der Sohn Gottes verherrlicht werden. Denn Jesus liebte Marta, ihre Schwester und Lazarus. Als er hörte, dass Lazarus krank war, blieb er noch zwei Tage an dem Ort, wo er sich aufhielt. Danach sagte er zu den Jüngern: Lasst uns wieder nach Judäa gehen.

Als Jesus ankam, fand er Lazarus schon vier Tage im Grab liegen. 

Als Marta hörte, dass Jesus komme, ging sie ihm entgegen, Maria aber blieb im Haus. Marta sagte zu Jesus: Herr, wärst du hier gewesen, dann wäre mein Bruder nicht gestorben. Aber auch jetzt weiß ich: Alles, worum du Gott bittest, wird Gott dir geben.

Jesus sagte zu ihr: Dein Bruder wird auferstehen. Marta sagte zu ihm: Ich weiß, dass er auferstehen wird bei der Auferstehung am Letzten Tag. Jesus erwiderte ihr: Ich bin die Auferstehung und das Leben. Wer an mich glaubt, wird leben, auch wenn er stirbt, und jeder, der lebt und an mich glaubt, wird auf ewig nicht sterben. Glaubst du das? Marta antwortete ihm: Ja, Herr, ich glaube, dass du der Messias bist, der Sohn Gottes, der in die Welt kommen soll.

Jesus war im Innersten erregt und erschüttert. Er sagte: Wo habt ihr ihn bestattet? Sie antworteten ihm: Herr, komm und sieh! Da weinte Jesus.

Die Juden sagten: Seht, wie lieb er ihn hatte! Einige aber sagten: Wenn er dem Blinden die Augen geöffnet hat, hätte er dann nicht auch verhindern können, dass dieser hier starb

38Da wurde Jesus wiederum innerlich erregt, und er ging zum Grab. Es war eine Höhle, die mit einem Stein verschlossen war. Jesus sagte: Nehmt den Stein weg! Marta, die Schwester des Verstorbenen, entgegnete ihm: Herr, er riecht aber schon, denn es ist bereits der vierte Tag. Jesus sagte zu ihr: Habe ich dir nicht gesagt: Wenn du glaubst, wirst du die Herrlichkeit Gottes sehen? 

Da nahmen sie den Stein weg. Jesus aber erhob seine Augen und sprach: Vater, ich danke dir, dass du mich erhört hast. Ich wusste, dass du mich immer erhörst; aber wegen der Menge, die um mich herum steht, habe ich es gesagt; denn sie sollen glauben, dass du mich gesandt hast. 

Nachdem er dies gesagt hatte, rief er mit lauter Stimme: Lazarus, komm heraus! Da kam der Verstorbene heraus; seine Füße und Hände waren mit Binden umwickelt, und sein Gesicht war mit einem Schweißtuch verhüllt. Jesus sagte zu ihnen: Löst ihm die Binden, und lasst ihn weggehen!

Viele der Juden, die zu Maria gekommen waren und gesehen hatten, was Jesus getan hatte, kamen zum Glauben an ihn.

 

Gedankensplitter

Der 5. Fastensonntag wird auch "Passionssonntag" genannt. Die Kreuze in unseren Kirchen werden verhüllt. An das Leiden und Sterben Jesu müssen wir denken, um uns über die Auferstehung freuen zu können. Im Evange­lium geht es heute um die Erweckung des Lazarus.  

„Wenn du glaubst, wirst du die Herrlichkeit Gottes sehen“, lesen wir im heu­tigen Evangelium. „Es ist ernst. Nehmen Sie es auch ernst“, ist der Ap­pell der Bundeskanzlerin zu der schweren Situation. Aber trotzdem hören wir auch viel über „Corona Partys“, Kontaktverbot und den nötigen „Buß­geld­katalog für Corona-Sünder“. Respekt haben, die richtige Wertschät­zung und Verständnis, Hoffnung und Gebete sind christlich und werden von Menschen in dieser Zeit mehr als sonst erwartet. Wir leben in einer Gesell­schaft, in der Menschen einander helfen und unterstützen können. Wir soll­ten als Christen entsprechend reagieren. 

Solch eine Situation wie diese haben wir noch nie im Leben erfahren. In der Familie von den Eltern, in der Gesellschaft von den sozialen Diensten, in der Wirtschaft von den Politikern und in der Kirche von den Geistlichen hören wir in dieser schweren Situation den gleichen Satz aus der Bibel oder den Satz, nur anders formuliert „Wenn du glaubst, wirst du die Herr­lichkeit Gottes sehen“ und wir werden es überstehen.

Es soll nicht eine Zeit des Vertrauensverlustes sein, sondern jedes Haus soll in ein Gotteshaus verwandelt werden, wo wir zusammen beten, wo wir den Zusammenhalt noch intensiver erfahren, der uns Kraft im Leben gibt, wo die Hoffnung niemals aufgegeben wird und gegen die Schwie­rigkeiten gekämpft wird mit allen Sicherheitsmaßnahmen, die möglich sind. Gott will auch menschliche Bereitschaft und Unterstützung dazu ge­ben, wenn er ein Wunder tut. „Nehmt den Stein weg“, sagte Jesus den Menschen, die zum Grab des Lazarus kommen. Den Stein wegwälzen heißt: auch wenn nach außen nichts mehr zu machen ist, ist Auferstehung den­noch möglich. Im Evangelium ruft Jesus mit lauter Stimme: „Lazarus, komm heraus!“ Das heißt: kommt heraus aus der Höhle eures Egoismus und eu­rer Selbstsucht, aus eurem mangelnden Vertrauen, aus jedem Grab und je­dem toten Winkel eures Lebens. Kommt heraus! Steht auf und ändert euch, werdet neue Menschen und seid bereit, die Herrlichkeit Gottes zu er­fahren. 

 

 

Gebet

Allmächtiger Gott,

du hast uns das Sakrament der Einheit geschenkt.

Lass uns immer lebendige Glieder Christi bleiben 

und mutig in die Zukunft gehen.

Darum bitten wir durch ihn, Christus, unseren Herrn.

 

Segen

Es segne, bewahre und beschütze uns, die Menschen unserer Pfarrei St. Johannes und die Welt, in der wir leben, der barmherzige Gott: 

der Vater und der Sohn und der Heilige Geist. Amen.

 

Ausblick in die Woche

Sich frei machen von den Alt-Lasten unserer Selbstverständlichkeiten -

Platz schaffen für einen neuen ver-rückten Blick auf unsere Welt.

Eigene Begrenzungen weg-leben und

durch neue Grenzen frei werden.

Gott, weil dein JA zu uns durch das lebendige Beispiel Deines Sohnes

G r e n z e n-los wurde.                                    

awe

 

 

 

 

 

Impuls zum 4. Fastensonntag

Pfarrer Bonifatius Müller

Laetare 2020

Laetare

Seit alters her heißt der 4. Sonntag in der Fastenzeit „Laetare“, also über­setzt: Freuet euch. Vom ersten Wort des Eröffnungsliedes der alten Choral­messen, be­kamen die Sonntage ihren Namen. Mitten in der Vorbereitungs­zeit auf Ostern hält der 4. Sonntag in der Fastenzeit mit seinen Texten schon einen frohen Ausblick auf die kom­mende Freude des Osterfestes. Laetare, freuet Euch. Dieser Text kommt uns allen in diesen Tagen, die so bestimmt sind von den Schatten des Corona-Virus, der über die Menschen dieser Erde gefallen ist, nicht so leicht über die Lippen. Der nachstehende Impuls möchte eine Anregung sein.

Laetare. Freue dich, Stadt Jerusalem!

Seid fröhlich zusammen mit ihr, alle, die ihr traurig wart.

Freut euch und trinkt euch satt an der Quelle göttlicher Tröstung.

(Jes 66, 10-11)

Gebet

Herr, unser Gott, du hast in deinem Sohn die Menschheit auf wunderbare Weise mit dir versöhnt. Gib deinem Volk einen hochherzigen Glauben, damit es mit froher Hingabe dem Osterfest entgegeneilt. Durch Jesus Christus, unseren Herrn, bitten wir dich.

 

Evangelium

Joh 9, 1-41

+ Aus dem heiligen Evangelium nach Johannes

In jener Zeit sah Jesus einen Mann, der seit seiner Geburt blind war. Jesus spuckte auf die Erde; dann machte er mit dem Speichel einen Teig, strich ihn dem Blinden auf die Augen und sagte zu ihm: Geh und wasch dich in dem Teich Schiloach! Schiloach heißt übersetzt: Der Gesandte. Der Mann ging fort und wusch sich. Und als er zurückkam, konnte er sehen. Die Nachbarn und andere, die ihn früher als Bettler gesehen hatten, sagten: Ist das nicht der Mann, der dasaß und bettelte? Einige sagten: Er ist es. Andere meinten: Nein, er sieht ihm nur ähnlich. Er selbst aber sag­te: Ich bin es.

Da brachten sie den Mann, der blind gewesen war, zu den Pharisä­ern.

Es war aber Sabbat an dem Tag, als Jesus den Teig gemacht und ihm die Augen geöffnet hatte. Auch die Pharisäer fragten ihn, wie er sehend ge­worden sei. Der Mann antwortete ihnen: Er legte mir einen Teig auf die Augen; dann wusch ich mich, und jetzt kann ich sehen.

Einige der Pharisäer meinten: Dieser Mensch kann nicht von Gott sein, weil er den Sabbat nicht hält. Andere aber sagten: Wie kann ein Sünder solche Zeichen tun? So entstand eine Spaltung unter ihnen. Da fragten sie den Blinden noch einmal: Was sagst du selbst über ihn? Er hat doch deine Augen geöffnet. Der Mann antwortete: Er ist ein Prophet. Sie entgegne­ten ihm: Du bist ganz und gar in Sünden geboren, und du willst uns beleh­ren? Und sie stießen ihn hinaus. Jesus hörte, dass sie ihn hinausgestoßen hat­ten, und als er ihn traf, sagte er zu ihm: Glaubst du an den Menschen­sohn? Der Mann antwortete: Wer ist das, Herr? Sag es mir, damit ich an ihn glaube. Jesus sagte zu ihm: Du siehst ihn vor dir; er, der mit dir re­det, ist es. Er aber sagte: Ich glaube, Herr! Und er warf sich vor ihm nieder.

 

Gedankensplitter

Jesus heilt heute die Blindheit eines Menschen, damit die, die angeblich sehen, die Frommen, die Gelehrten aus dem Tempel und die Priester er­kennen sollen, dass Gott allein sehend machen kann, dass Gott allein die Zeichen der Zeit sendet und deutet - keine falschen Propheten, auch wenn sie in noch so frommer Verpackung daherkommen. Das ist seine Einladung, dem Leben neu zu vertrauen. Er lädt uns ein, die Herausforderungen unseres eigenen Lebens wirklich anzunehmen und die Blindheiten unseres Herzens aufzuge­ben. Glaube und Vernunft gehören für ihn zusammen. Der alte Papst Benedikt hat das mal so formuliert: ohne Vernunft kann der Glaube zum Fundamentalismus entarten und ohne Glaube verselbststän­digt sich die Vernunft in die Zwecklosigkeit. Die Angst vor der Eigenart der anderen, lässt uns heute oft den Weg aus dem Auge verlieren, den wir Christen durch unsere Taufe mitbekommen haben. Ich bin der Weg, sagt uns dieser Christus, der jeden zu sich nach Hause kommen lässt - wirklich je­den von uns, der es aufrichtig will. Das ist Laetare, das heißt: freuet euch. Da ist keine Angabe über die Stra­ßenseite, kein Tempolimit, kein Stopp oder Verbotsschild, keine Einbahnstraße und kein Umweg. Da gibt es keine Reservierung für die breite Paradestraße oder für die holperige Feldwegstrecke. 

Wenn wir einmal aufrichtig und aufmerksam unsere Zeit ansehen, sind wir in den letzten Jahrzehnten in Europa eine Kirche geworden, die es schwer mit sich hat und es manchmal, zugegebenermaßen, den Menschen auch schwer macht. Sind wir nicht wirklich zu sehr auf uns selbst bezogen, wie Papst Franziskus es immer wieder an seiner Kirche kritisiert?! Wir sitzen oft wie auf einem Karussell und kreisen um Themen wie kirchliche Ämter, Machtverteilung und Zuständigkei­ten, um Zölibat und manches andere Zweit- und Drittrangige. Aber ein Karussell kommt nicht vom Fleck. Es be­wegt sich immer nur im Kreis, um sich selber, und wird oft genug eine beliebige Belustigung für die umstehenden „Schau-Lustigen“. Gerade un­sere so angeschla­gen Tage machen uns deutlich: es wird Zeit, von diesem Karussell abzusteigen und den Menschen zu zeigen: Wir glauben an Jesus Christus, weil er die Herzen der Menschen heilen kann - vor der Blind­heit des Herzens und vor allem von der Angst. Wir erflehen des­halb besonders seine Hilfe für unsere gerade so gefährdete Welt im Jahr 2020. 

Gerade jetzt können wir in der Liebe, in der Rücksichtnahme und im Re­spekt voreinander unser Christentum sichtbar werden lassen. Seien wir erfinderisch. Greifen wir zum Telefon und rufen Menschen an, die einsam und verängstigt sind. Lassen wir sie spüren „ich bin da“! Respektieren wir die notwendigen Einschränkungen unserer, uns ansonsten zustehenden Frei­heiten, damit wir die Herausforderungen dieser Pandemie gemeinsam bestehen können. Machen wir - nicht als Blinde -, sondern als Sehende öffentlich, dass unser Glaube kein Ka­russell ist, sondern den Menschen Heil und Segen bringen kann, den sogenannten Fernstehenden wie auch den nächsten Nahen. Dann ist "Laetare" trotz und mit Corona spürbar, dann erfahren wir tief in unserem Inneren: freuet euch. Das ist unser ganz großes Glück: Wir haben einen mitgehenden Gott, der an allen Weg­kreuzungen unseres Lebens, auch an den misslungenen, steht und uns sa­gen will „komm nach Hause, die Tür ist geöffnet, du brauchst dich nicht zu ängsti­gen, ich bin ja da, egal welchen Weg du gerade gehst oder auch gehen musst“. Wenn wir nach diesem Licht suchen, haben wir das Leben, nicht erst später, sondern jetzt schon, dann werden wir le­bendig sein und finden, was war wir suchen. Laetare: freuet euch.

 

Gebet

Allmächtiger Gott, dein ewiges Wort ist das wahre Licht, das jeden Men­schen erleuchtet. Heile die Blindheit unseres Herzens, damit wir auch in diesen so schweren Tagen erkennen, was wir tun können, und dich und die Men­schen aufrichtig lieben. Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn.

 

Segen

Es segne, bewahre und beschütze uns, die Menschen unserer Pfarrei St. Johannes und die Welt, in der wir leben, der barmherzige Gott: 

der Vater und der Sohn und der Hl. Geist. Amen.

 

Ausblick in die Woche

Jesus spricht ungern von "Gläubigen" und "Ungläubigen" oder von "Bekehr­ten" und "Unbekehrten" - er unterscheidet einfach zwischen Se­henden und Blinden. Damit macht er deutlich: Glauben erfordert keine be­sonderen Fä­higkeiten oder übermenschlichen Anstrengun­gen. Alles, was dazu notwen­dig ist, ist Offenheit. So wie man die Augen aufmacht, und sieht, was vor einem ist, so soll unser Herz, unsere ganze Person offen sein, es geschehen lassen, die uns die Sicht versperren. Getönte Brillen, die uns die Wirklich­keit verzerren. Man nennt das Ideologie, und es gibt kaum etwas, was Jesus so wü­tend macht, wie solche Denk­schablo­nen: Wenn Menschen nicht auf Menschen sehen, sondern auf ein System, eine Idee, irgendetwas, das wich­tiger ist als der Mensch, der gerade vor ihm steht.

Werner Tiki Küstenmacher