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Impulse des Pastoralteams
in der Advents- und Weihnachtszeit

 

Für uns alle ist die Zeit schwer. Als Pastoralteam wollen wir Sie mit Impulsen begleiten, die uns Mut und Orientierung geben können:

 

 

 

Impuls zum Fest der Taufe des Herrn 2021

- Pfarrer Bonifatius Müller -

 

Als Jesus getauft war, öffnete sich der Himmel, 

und er sah den Geist Gottes wie eine Taube auf sich herabkommen.
Und die Stimme des Vaters aus dem Himmel sprach:
Das ist mein geliebter Sohn, an dem ich Gefallen habe.

Mt 3, 16–17

 

 

Gebet

Allmächtiger, ewiger Gott, bei der Taufe im Jordan kam der Heilige Geist auf unseren Herrn Jesus Christus herab und du hast ihn als deinen geliebten Sohn geoffenbart. Gib, dass auch wir, die aus dem Wasser und dem Heiligen Geist wieder geboren sind, in deinem Wohlgefallen stehen und als deine Kinder aus der Fülle dieses Geistes leben. Darum bitten wir durch Jesus Christus.

 

Evangelium

Mk 1, 7–11

+ Aus dem heiligen Evangelium nach Markus

In jener Zeit trat Johannes in der Wüste auf und verkündete:
Nach mir kommt einer, der ist stärker als ich; ich bin es nicht wert,
mich zu bücken und ihm die Riemen der Sandalen zu lösen. Ich habe euch mit Wasser getauft, er aber wird euch mit dem Heiligen Geist taufen.

In jenen Tagen kam Jesus aus Nazaret in Galiläa und ließ sich von Johannes im Jordan taufen. Und sogleich, als er aus dem Wasser stieg, sah er, dass der Himmel aufriss und der Geist wie eine Taube auf ihn herabkam. Und eine Stimme aus dem Himmel sprach: Du bist mein geliebter Sohn, an dir habe ich Wohlgefallen gefunden.

 

Gedankensplitter

Vor ein paar Tagen haben wir in unserer Kirche das Epiphaniefest gefei­ert, das Fest der Erscheinung des Herrn, also ein Tag, an dem Gott mit­ten unter dieser Menschheit den Menschen erschienen, also deutlich spürbar begeg­net ist. Drei solcher Epiphanien Gottes kennen und feiern wir in unserer hl. Liturgie:

 

Zum ersten das Fest der Epiphanie, wo Gott selbst den Heidenvölkern, die durch die Weisen, die Könige aus dem Morgenland repräsentiert werden erscheint und aufleuchtet.

Dann das Fest der Taufe des Herrn im Jordan, wo die Menschen die Stimme Gottes vernehmen: dies ist mein geliebter Sohn;

und schließlich die Begebenheit, wo Jesus bei der Hochzeit zu Kana im Weinwunder deutlich werden lässt, dass die Kraft und Macht Gottes mitten unter den Menschen erschienen ist.

Das alles sind aber Wirklichkeiten aus Dimensionen heraus, gegen die sich unser menschlicher Verstand so vehement anstemmt, weil er eigentlich zu klein dafür ist, zu wenig Kapazität für wirkliches Erkennen hat. Epi­pha­nien, Erscheinungsweisen, die uns Menschen tatsächlich spüren las­sen, dass das Reich Gottes nicht erst kommt, sondern unter uns schon längst ange­brochen ist und zwar auch durch jeden getauften Menschen, also ganz konkret auch durch uns.

Damals im Jordanfluss ist etwas geschehen, was auf dieser Erde nie wie­der aufgehört hat. Mit der Taufe Jesu, da beginnt so etwas wie die Ver­öf­fentlichung des Reiches Gottes unter uns Menschen. Es ist Gottes gro­ßer Offenbarungseid, den er auf diesen Jesus aus Nazaret legt, als der an das Wasser tritt und sich taufen lässt. Gott findet Gefallen an ihm. Es ist wie eine eidesstattliche Erklärung, was da passiert, als Gottes Kraft in diesem Jesus vor den Augen aller deutlich wird. Christus wird er seit dem heißen, der Christus, der Gesalbte. Und wir Christen tragen deshalb seinen hl. Namen, weil wir die in der Taufe gesalbten und für das Leben bestimmten Menschen sein dürfen.

Wir lesen in der Hl. Schrift vom geheimnisvollen Gottesknecht, von dem  heißt es: das geknickte Rohr zerbricht er nicht und den glimmenden Docht löscht er nicht aus. Schon früh sind diese alten Prophezeiungen im Leben von Jesus, dem Christus, sichtbar geworden. Das geknickte Rohr, den zerbrochenen Menschen, den hat Jesus nie abgelehnt, nie ausge­stoßen. Ganz im Gegenteil: die von den Menschen ausgegrenzt und ver­letzt und betrogen und verraten werden, die haben in ihm immer jeman­den gefunden, der für sie da war. Er hat nicht geknickt und nicht zerbro­chen, wie wir es oft miteinander tun, um persönlicher Vorteile oder be­ruflichen Fortkommens willen; weil Standesdünkel oder menschliche Kleinkariertheit, weil moralinsaures oder selbstgerechtes Verhalten un­sere Beziehungen vergiftet oder in Ehe und Familie, im Kollegen- und Freundeskreis oder in unseren Christengemeinden so schweren Schaden anrichten kann. Gott achtet immer auch auf das Kleine, das Unschein­bare, auf das, was in den Augen der Menschen nichts gilt.

Wir reden heute so oft von Freiheit und meinen eigentlich Bindungslosig­keit. Der Prophet Jesaja sieht den leidenden Gottesknecht als einen, der gekommen ist, den Menschen ihr Recht zu verschaffen. Gemeint ist das Recht als Mensch, menschenwürdig und in gegenseitiger Achtung auf dieser Erde zu leben und die Pflicht, anderen das gleiche Recht zuzu­gestehen.

 

Die Texte der heutigen Liturgie wollen uns dabei Mut machen: Wir haben einen Gott, der sich mit Haut und Haaren auf die Menschen eingelassen hat. Unsere Taufe ist deshalb für uns etwas, was wir nur mit Gnade, mit absoluter und ungeschuldeter und nichtkäuflicher Zuwendung - mit Liebe - erklären können. Seit das Wasser dieser Gnade uns rein gemacht hat und das Chrisamöl dieser Gnade in uns eingezogen ist, da hat uns Christus das Recht erkauft: das Recht auf Gottes Liebe, das Recht auf Leben. Und dieses Recht gilt es auch, in aller Öffentlichkeit zu verteidigen, auch in der Öffentlichkeit unseres Staates, dessen Wertordnung eindeutig auf die Werte des christlichen Evangeliums gegründet worden ist. 

 

Nehmen wir uns dieses Lebensrecht, das Gott uns anbietet.

Es ist nicht umsonst, aber es ist gratis.

 

Ausblick in die Woche

Was bedeutet für mich der Tag, 

an dem meine Eltern, meine Paten mich damals einmal über den Taufbrunnen gehalten haben, 

an dem mir ein Leben geschenkt wurde, das mir niemand mehr nehmen kann? 

Kenne ich diesen Tag überhaupt?

 

Gebet

Gütiger Gott, du hast uns mit deinem Wort genährt. Gib, dass wir gläubig auf deinen Sohn hören, damit wir deine Kinder heißen und es in Wahrheit sind. 

Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn.

 

Segen

Es segne, bewahre und beschütze uns, die Menschen in unserer Pfarrei St. Johannes und die Welt, in der wir leben, der barmherzige Gott: 

der Vater und der Sohn und der Heilige Geist. Amen.

 

 

 

 

 

 

Impuls zur Jahreswende 2020/2021

- Pastoralreferent Mattia Zurlo -

 

Ein Licht strahlt heute über uns auf, denn geboren ist uns der Herr.

Und man nennt ihn: Starker Gott, Friedensfürst,

Vater der kommenden Welt.

Seine Herrschaft wird kein Ende haben.

 

 

Gebet

Barmherziger Gott, durch die Geburt deines Sohnes aus der Jungfrau Maria hast du der Menschheit das ewige Heil geschenkt.
Lass uns (auch im neuen Jahr) immer und überall die Fürbitte der gnadenvollen Mutter erfahren, die uns den Urheber des Lebens geboren hat, Jesus Christus, deinen Sohn, unseren Herrn und Gott, der in der Einheit des Heiligen Geistes mit dir lebt und herrscht in alle Ewigkeit.

 

Lesung

Num 6, 22-27

aus dem Buch Númeri

Der Herr sprach zu Mose: 
Sag zu Aaron und seinen Söhnen: So sollt ihr die Israeliten segnen;
sprecht zu ihnen: Der Herr segne dich und behüte dich.

Der Herr lasse sein Angesicht über dich leuchten und sei dir gnädig.
Der Herr wende sein Angesicht dir zu und schenke dir Frieden. So sollen sie meinen Namen auf die Israeliten legen und ich werde sie segnen.

 

Gedankensplitter

Immer an Neujahr hören wir als erste Lesung den sogenannten aaroniti­schen Segen. Er heißt so, weil er nach biblischer Überlieferung Aaron, dem Bruder des Mose, anvertraut wird, der nach der Tradition der erste Hohepriester des Volkes Israel ist. Aaron bekam vom Gott den Auftrag, diese Worte als Segen zu verwenden und sie von Generation zu Genera­tion weiter zu geben, weil diese Worte quasi die Segensformel schlecht­hin sind und Gott seinen Segen zugesagt hat, wo diese Worte gesprochen werden. 

Diese Worte faszinieren immer noch und sind weiterhin als Segensformel in Judentum und Christentum in Gebrauch.

Aber was bedeutet eigentlich Segen und warum ist ein Segen so wichtig?

Das Wort Segen bedeutet „Jemandem Gutes zusprechen”: Da spricht je­mand gute Worte über mich aus oder in mein Leben hinein. Und das sind nicht nur leere Worte, sondern Worte, die etwas bewirken. Die mir Kraft geben, mich anfeuern, mir guttun. Worte, die das bewirken, was sie aus­sprechen. Ein Segen ist aber keine Zauberformel, die die Wirklichkeit auf Biegen und Brechen verändert und jenen, der verzaubert wird, zu etwas zwingt. Ein Segen will die Wirklichkeit vielmehr dadurch verändern, dass er Denken, Handeln und Sein auf die Dimension Gottes weitet und seine helfende und rettende Nähe erbittet. 

Die Formulierung des aaronitischen Segens „er behüte dich“ spricht aus, was der Segen Gottes für die Menschen konkret bedeutet: Schutz vor Gefahren, Geborgenheit in den Stürmen der Zeit und dergleichen mehr. Und so einen Segen wünschen wir uns alle für das Neujahr nach den vielen traurigen Ereignissen, die das vergangene Jahr geprägt haben. 

Segen kann man aber nicht nur empfangen, sondern auch weitergeben: In der Bibel etwa legen Vätern ihren Kindern die Hände auf uns segnen sie. Jesus forderte dazu auf, die Feinde zu segnen, anstatt über sie zu flu­chen. Und diese Anregung wird in den Briefen der ersten Christen gleich mehrmals wiederholt. Segen ist wie ein Geschenk, das man gleichzeitig empfangen und weitergeben kann. Gott sagte einmal zu Abraham: „Ich werde dich segnen, und du sollst für andere ein Segen sein“.

Für das Neujahr lade ich Sie herzlich einmal ein, darüber nachzudenken, wo Sie in Ihrem Alltag andere Menschen segnen können. Vielleicht im Stillen, ohne dass es jemand hört. Vielleicht aber auch ganz offen, indem Sie jemandem einfach mal Gutes zusprechen. Besonders da, wo es keiner erwartet: Am Arbeitsplatz, an der Kasse im Supermarkt oder auch mal mitten im Streit. Und vielleicht werden Sie merken, wie solcher Segen dann auch zu Ihnen zurückkommt.

Mein Vater hat mir jeden Tag auf die Stirn ein Kreuzzeichen gemacht und einen Segen gegeben, bevor ich aus dem Auto ausgestiegen und in die Schule gegangen bin, genauso vor dem Schlafengehen am Abend. Die Schule ist für mich jetzt vorbei, aber wenn ich nach Italien fliege, segnet mein Vater mich weiterhin. Ich muss sagen, dass diese Geste und die guten Worte, die mein Vater zu mir spricht, mir Kraft und innere Ruhe geben. Ich möchte Sie damit ermutigen, im Alltag dieses Zeichen zu praktizieren bzw. neu zu entdecken.

 

Ausblick in die Woche

Für die kommende Woche lade ich Sie ganz herzlich ein, im Alltag einen Moment zu finden, um den folgenden Segenwunsch allein oder mit anderen zu sprechen:

 

ZUM NEUEN JAHR WÜNSCHE ICH DIR:

dass jeder Deiner Tage froh und zuversichtlich beginne;

dass Deine Wege nicht zu steil und nicht zu steinig seien

und Dich ein Engel stets begleite;

dass Du einen guten Wind im Rücken hast,

der Dich mehr trägt als er Dich vorwärts treibt;

dass Du einer Arbeit nachgehen kannst,

die Dich ausfüllt und Dir Freude macht;

dass Dir gute Menschen begegnen und Dir zur Seite stehen

und Dich in Deinen Bemühungen unterstützen;

dass die Sonne Dein Gesicht erwärme und nicht verbrenne;

dass Gott seine schützende Hand über Dir halte

und Dich vor allem Unheil bewahre;

dass Gottes Macht Dich aufrecht halte;

dass Gottes Auge auf Dich und für Dich schaue;

dass Gottes Ohr sich zu Dir neige und Dich höre;

dass Gottes Wort Dein Ohr erreiche

und bei anderen für Dich spreche;

dass Gottes Licht Dich erhelle,

Dir auch in dunklen Stunden leuchte

dass Gottes Liebe über Dir walte;

dass Gottes Güte in Dir wohne und widerstrahle;

dass Gottes Segen auf Dir ruhe,

Dich stärke und ermutige;

dass ER alle Zeit Dich umgebe

und Dir Frieden schenke;

dass Du all dieses in Deinem Herzen bewahrest

und Dich der guten Dinge in diesem Jahr erinnerst,

dankbar für diese bist und Dich Deines Lebens freust!

(nach alten irischen Segenswünschen) von Heinz Pangels

 

Gebet

Herr, unser Gott, am Fest der seligen Jungfrau Maria, die wir als Mutter deines Sohnes und Mutter der Kirche bekennen, haben wir voll Freude
miteinander gebetet. Lass es uns eine Hilfe sein, die uns im Alltag Mut  zum Handeln gibt. Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn.

 

Segen

Es segne, bewahre und beschütze uns, die Menschen in unserer Pfarrei St. Johannes und die Welt, in der wir leben, der barmherzige Gott: 

der Vater und der Sohn und der Heilige Geist. Amen.

 

 

 

 

 

 

 

Impuls zum Weihnachtsfest 2020

- Pfarrer Markus Feggeler -

 

Ein Licht strahlt heute über uns auf, denn geboren ist uns der Herr.

Und man nennt ihn: Starker Gott, Friedensfürst, Vater der kommenden Welt.

Seine Herrschaft wird kein Ende haben.

Jes 9, 1.5; Lk 1, 33

 

 

Gebet

Allmächtiger Gott, dein ewiges Wort ist Fleisch geworden, um uns mit dem Glanz deines Lichtes zu erfüllen. Gib, dass in unseren Werken widerstrahlt, was durch den Glauben in unserem Herzen leuchtet. Darum bitten wir durch ihn, Jesus Christus.

 

Evangelium

Lk 2, 15–20

+ Aus dem heiligen Evangelium nach Lukas

Als die Engel von den Hirten in den Himmel zurückgekehrt waren,
sag­ten die Hirten zueinander: Lasst uns nach Betlehem gehen, um das Ereignis zu sehen, das uns der Herr kundgetan hat!

So eilten sie hin und fanden Maria und Josef und das Kind, das in der Krippe lag. Als sie es sahen, erzählten sie von dem Wort, das ihnen über dieses Kind gesagt worden war. Und alle, die es hörten, staun­ten über das, was ihnen von den Hirten erzählt wurde.

Maria aber bewahrte alle diese Worte und erwog sie in ihrem Herzen. 
Die Hirten kehrten zurück, rühmten Gott und priesen ihn für alles, was sie gehört und gesehen hatten, so wie es ihnen gesagt worden war.

 

Gedankensplitter

Als der Engel plötzlich bei den einfachen Hirten auf dem Feld ist, verwandeln sich Furcht und Angst vielleicht nicht direkt in pure Freude. Die Nachricht, dass der verheißene Retter da ist, das Kind in der Krippe als Zeichen und die Engel, die Frieden auf Erden verkün­den? Mag sein, dass das alles ein bisschen viel gewesen ist für einfa­che Leute…

Aber die Hirten gehen dem nach und machen sich auf die Suche. Und sie finden. Sie hören und sie erzählen. Sie staunen. Und sie werden verwandelt.

Als sie in ihren Arbeitsalltag auf die Felder zu ihren Herden zurück­kehren, rühmen sie Gott für das, was sie mit eigenen Ohren hören und selber sehen durften. Das wird zu einer Erfahrung, die alles verändert!

In den letzten Monaten haben wir Menschen sicher sehr unterschiedli­che Erfahrungen gemacht. Das vergangene Jahr war geprägt von einer Pandemie, die viele von uns an ihre Grenzen ge­bracht hat. Wir haben eben nicht alles so einfach im Griff wie wir häufig gedacht haben. Zur existentiellen Bedrohung kam und kommt häufig eine wirt­schaftliche. Nicht nur in den Krankenhäusern und Pflegeeinrichtungen haben wir großartigen Einsatz gesehen und ge­lebte Solidarität. An anderen Stel­len sind vielleicht Sorglosigkeit und Egoismus zu Tage getreten, wo wir uns etwas anderes gewünscht hät­ten. Für die einen sind die Lang­zeit­folgen der Krise vielleicht noch gar nicht abzusehen. Und andere kla­gen auf hohem Niveau, obwohl sich die Zumutungen der gegenwärtigen Krise für sie eigent­lich in Grenzen halten.

Was will uns Gott nun damit sagen? So sehr ich mich zum Beispiel wei­gere, in Corona eine Strafaktion (gegen wen?) oder eine Welt­ver­schwö­rung (durch wen?) zu vermuten, so sehr bin ich überzeugt, dass Gott in der Geschichte der Welt und der Menschen handelt. Da ist nicht alles nur reiner Zufall oder unabänderliches Schicksal. Da wird auch das Corona-Virus zu Herausforderung, die uns praktische Soli­darität und konsequentes Handeln abverlangt.

Und Gott? ER sucht dabei einen Weg zu uns Menschen. Immer. Da gibt es kein selbst auferlegtes Kontaktverbot. Es gibt im Gegenteil Kontakt­aufnahme aus Liebe.

Dabei werden Grenzen überwunden. Der alte Abstand zwischen Him­mel und Erde, zwischen Gott und den Menschen ist aufgehoben, weil Gott selber Mensch wird.

Deshalb können wir dankbar Weihnachten feiern, auch wenn in die­sem Jahr vielleicht vieles anders ist als sonst. Wir feiern ja einen Gott, der da ist und sich einmischt. Mit den Hirten können wir uns auf die Suche machen nach seinen Spuren. Mit ihnen können wir vielleicht auch die Erfahrung machen, dass sich zwar nicht alle Sor­gen und Nöte gleich in himmlischem Wohlgefallen auflösen. Aber die Hirten gehen nach der Begegnung an der Krippe mit einer starken Erfahrung in ihren Alltag zurück, die sie verändert hat. 

Weihnachtliche Menschen können seitdem immer wieder diese Erfah­rung bestätigen: die Begegnung mit dem Kind in der Krippe schenkt Hoffnung und stärkt uns, trotz aller Zumutungen und Herausforderun­gen. Gott sei Dank!

 

Ausblick in die Woche

WAS WAR...

vor 2000 Jahren?

Gott kam als Kind in SEINE Welt.

Uns Frieden erfahren zu lassen - 

Das war SEIN Wunsch.

WAS IST GEWORDEN aus SEINER Welt?

Durch uns Menschen.

Wie haben wir sie gestaltet -  unsere Welt?

WAS WIRD SEIN...

nach der Freude dieses Festes?

Werden wir IHN dann auch als Licht UNSERER Welt begrüßen?

Heute - morgen -

In jedem Augenblick unseres Alltags.         wea

 

Gebet

Herr, unser Gott, die Menschwerdung deines Sohnes erfülle uns mit Freude und Dank. Lass uns dieses unergründliche Geheimnis im Glau­ben erfassen und in tätiger Liebe bekennen.
Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn.

 

Segen

Es segne, bewahre und beschütze uns, die Menschen in unserer Pfarrei St. Johannes und die Welt, in der wir leben, der barmherzige Gott: der Vater und der Sohn und der Heilige Geist. Amen.

 

 

 

 

 

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Der Segen für die Gemeinde

Die Sternsinger


 

 

 

 

Impuls zum vierten Sonntag im Advent 2020

- Pater Jerry Matthew OCD -

 

Tauet, ihr Himmel, von oben!

Ihr Wolken, regnet herab den Gerechten!

Tu dich auf, o Erde, und sprosse den Heiland hervor!       

 Jes 45, 8

 

 

Gebet

Allmächtiger Gott,  gieße deine Gnade in unsere Herzen ein. Durch die Botschaft des Engels haben wir die Menschwerdung Christi, deines Soh­nes, erkannt. Führe uns durch sein Leiden und Kreuz zur Herrlich­keit der Auferstehung.

Darum bitten wir durch Jesus Christus.

 

Evangelium

Lk 1, 26-38

+ Aus dem heiligen Evangelium nach Lukas.

Im sechsten Monat wurde der Engel Gabriel von Gott in eine Stadt in Galiläa namens Nazaret zu einer Jungfrau gesandt. Sie war mit einem Mann namens Josef verlobt, der aus dem Haus David stammte. Der Name der Jungfrau war Maria.

Der Engel trat bei ihr ein und sagte: Sei gegrüßt, du Begnadete, der Herr ist mit dir. Sie erschrak über die Anrede und überlegte, was dieser Gruß zu bedeuten habe. Da sagte der Engel zu ihr: Fürchte dich nicht, Maria; denn du hast bei Gott Gnade gefunden. Du wirst ein Kind empfangen, einen Sohn wirst du gebären: dem sollst du den Namen Jesus geben. Er wird groß sein und Sohn des Höchsten genannt wer­den. Gott, der Herr, wird ihm den Thron seines Vaters David geben. Er wird über das Haus Jakob in Ewigkeit herrschen, und seine Herrschaft wird kein Ende haben.

Maria sagte zu dem Engel: Wie soll das geschehen, da ich keinen Mann erkenne? Der Engel antwortete ihr: Der Heilige Geist wird über dich kommen, und die Kraft des Höchsten wird dich überschatten. Deshalb wird auch das Kind heilig und Sohn Gottes genannt werden. Auch Elisa­bet, deine Verwandte, hat noch in ihrem Alter einen Sohn empfangen; obwohl sie als unfruchtbar galt, ist sie jetzt schon im sechsten Monat. Denn für Gott ist nichts unmöglich.

Da sagte Maria: Ich bin die Magd des Herrn; mir geschehe, wie du es gesagt hast. Danach verließ sie der Engel.

 

Gedankensplitter

„Was jetzt zählt, ist, die Gesundheit zu erhalten und Menschenleben zu retten... „Wir werden diese Krise überwinden“ sagte Bundespräsident Steinmeier vor diesem Lockdown. Vielleicht erfasst uns das Lockdown-Fieber. Die Virologen empfehlen einen härteren Lockdown und aus ih­rer Sicht spielen die sozialen Folgen keine Rolle. Alle tragen Masken und achten auf die strengeren Maßnahmen gegen die Pandemie, trotz­dem steigt die Zahl der Angesteckten. Viele wissen nicht, was sie dennoch machen sollen, um diese Pandemie zu bremsen. 

Alle versu­chen, mit rigiden Maßnahmen die Ausbreitung des Corona­v­i­rus einzudämmen. Mit dem Lockdown kommt die Sorge vor einer er­neuten, weitgehenden Lahm­legung des öffentlichen Lebens mit Konse­quenzen für viele Berufe. Eltern müssen wegen Kita- und Schulschlie­ßungen sowie der Schließung von Einrichtungen für Menschen mit Be­hinderungen wie Werkstätten und Tagesförderstätten die Betreuung selbst organisieren. Sie können ihrer Arbeit nicht in vollem Umfang nachgehen. Können Kinder und Jugendli­che auch profitieren, wenn Schule gar nicht oder zuhause stattfindet? 

Viele Fragen und Sorgen, für die man eine klare Antwort haben möchte. 

Im Evangelium lesen etwas über eine schwere Situation, die Maria ge­troffen hatte, wo sie keine vernünftige Antwort und Hoffnung auf den ersten Blick findet. Maria konnte sich damals nicht vorstellen wie diese neue Gottesbeziehung in Jesus Mensch werden sollte, wie sie Hand und Fuß bekommen sollte. Doch der Engel lehrte sie Vertrauen: "Bei Gott ist kein Ding unmöglich." Wir sind auch manchmal im Leben verzweifelt. Wir suchen einen neuen Weg - raus aus unseren Un­sicherheiten und Sor­gen. Im Leben sind auch wir in Situationen gera­ten, die uns hoff­nungs­los scheinen. Dann aber sollen wir Maria als Vorbild nehmen und uns auf das Wort Gottes verlassen, dass „bei Gott kein Ding unmöglich ist!?" 

Die Adventszeit ist ja die Zeit des Wartens und der Hoffnung. Im Weih­nachtsfest verbirgt sich eine tiefe Sehnsucht. Eine Sehnsucht nach mehr: Nach mehr als diesem Fest, nach mehr als Geschenken.

Im Advent steht die Sehnsucht nach einem besseren und schöneren, nach einem helleren und wärmeren Leben im Vordergrund.

Darum dürfen wir unsere Herzen stärken: 

Stärken wir sie durch die biblischen Verheißungen, 

stärken wir sie durch Lieder und Melodien, die unsere Hoffnung und Sehnsucht in unserem Herzen weitersingen, 

stärken wir sie durch die Verbindung mit anderen, die mit uns in dieser Hoffnung leben. 

Wie toll ist es, Menschen zu begegnen und ihnen Hoffnung weiter zu schenken. 

Weihnachten ereignet sich: Nicht nur, wenn wir Gott haben, sondern auch, wenn wir ihn in unserer Mitte erkennen als verbindende Gegen­wart, die uns zum Leben berührt und bewegt.

 

Ausblick in die Woche

Bischof Benno Elbs, Klagenfurt, macht uns mit einem Gedanken Mut zum anderen Hinsehen: 

„Verbringen wir unser Leben nicht mit der Bekämpfung täglicher Hindernisse, sondern hängen wir unser Herz an einen Stern, der uns leuchtet und auf einen anderen Horizont hinweist, auf ein jenseiti­ges Land.“

 

Gebet

Gott, höre unser Gebet. Du möchtest, dass wir an Leib und Seele, damit wir an Seele und Leib gesunden. 

Lass uns das Kommen deines Sohnes in Freude erwarten und mache uns umso mutiger in deinem Dienst, je näher das Fest seiner Geburt heranrückt. Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn.

 

Segen

Es segne, bewahre und beschütze uns, die Menschen in unserer Pfarrei St. Johannes und die Welt, in der wir leben, der barmherzige Gott: 

der Vater und der Sohn und der Heilige Geist.

 

 

 

 

 

Impuls zum dritten Sonntag im Advent 2020

- Pfarrer Bonifatius Müller -

 

Freut euch im Herrn zu jeder Zeit! Noch einmal sage ich:

Freut euch! Denn der Herr ist nahe. 

Phil 4, 4.5

 

 

Gebet

Allmächtiger Gott, sieh gütig auf dein Volk, das mit gläubigem Verlangen das Fest der Geburt Christi erwartet. Mache unser Herz bereit für das Geschenk der Erlösung, damit Weihnachten für uns alle ein Tag der Freude und der Zuversicht wird.

Darum bitten wir durch Jesus Christus.

 

Evangelium

Joh 1, 6-8, 19 - 28

+ Aus dem heiligen Evangelium nach Johannes

Es trat ein Mensch auf, der von Gott gesandt war; sein Name war Johannes. Er kam als Zeuge, um Zeugnis abzulegen für das Licht, damit alle durch ihn zum Glauben kommen.

Er war nicht selbst das Licht, er sollte nur Zeugnis ablegen für das Licht.

Dies ist das Zeugnis des Johannes: Als die Juden von Jerusalem aus Priester und Leviten zu ihm sandten mit der Frage: Wer bist du?, bekannte er und leugnete nicht; er bekannte: Ich bin nicht der Messias.

Sie fragten ihn: Was bist du dann? Bist du Elija? Und er sagte: Ich bin es nicht. Bist du der Prophet? Er antwortete: Nein.

Da fragten sie ihn: Wer bist du? Wir müssen denen, die uns gesandt haben, Auskunft geben. Was sagst du über dich selbst?

Er sagte: Ich bin die Stimme, die in der Wüste ruft: Ebnet den Weg für den Herrn!, wie der Prophet Jesaja gesagt hat.

Unter den Abgesandten waren auch Pharisäer.

Sie fragten Johannes: Warum taufst du dann, wenn du nicht der Messias bist, nicht Elija und nicht der Prophet?

Er antwortete ihnen: Ich taufe mit Wasser. Mitten unter euch steht der, den ihr nicht kennt und der nach mir kommt; ich bin es nicht wert, ihm die Schuhe aufzuschnüren.

Dies geschah in Betanien, auf der anderen Seite des Jordan, wo Johannes taufte.

 

Gedankensplitter

„Gaudete“ (Freuet euch) wird seit alters her der dritte Adventssonntag genannt. Vor allem in diesen doch sehr angeschlagenen Zeiten sehnen wir uns nach einer guten Nachricht, die uns wieder auf eine bessere Zeit hoffen lässt. Corona hat nicht nur unseren Alltag so fest im Griff. Auch die innere Suche nach dem, was heilt, was wieder „normal“ leben lässt, bestimmt unsere Gedankenwelt in diesen Tagen - und zwar überall. 

Das Evangelium des Gaudete-Sonntags will uns genau solch eine Bot­schaft mit auf den Weg geben. Das ist die gute Nachricht von einem Licht, dass trotz der dunklen und anthrazitgrauen Tage, die uns allen langsam wirklich auf den Geist gehen und sich auf unser Gemüt legen, am Ende des Tunnels aufscheint. Elisabeth Birnbauch hat dazu geschrie­ben: „Eine alte Weisheit sagt: Wenn der Weise auf den Mond zeigt, dann sieht der Tor, der Unvernünftige, nur auf den Finger. Fingerzeige sind Wegweiser. Aber sie gehen den Weg nicht für mich. Den Blick vom Finger zu lösen in die Weite - erfordert Mut und Vertrauen. Verliere ich mich im Schilderwald der Wegweiser? Oder wage ich es, den Blick auf das Ziel zu richten?“ In den Zeiten der Pandemie werden jeden Tag un­zählige Meinungen und Kommentare durch die Medien in unser Wohn­zimmer gekippt. Jeder weiß es besser oder hat es vorher ja schon ge­wusst, wie es besser funktionieren würde. Man sollte… man hätte… warum hat man nicht… 

Auch unsere Kirche hat es heute oft mit solch wenig hilfreichen Prophe­zeiungen zu tun. Johannes der Täufer hat ein wesentliches Grundprin­zip verwirklicht, das, wie mir scheint, auch wir heute neu entdecken könnten. Die große Frage unseres Glaubens in dieser Adventszeit ist eben nicht zuerst die Frage nach den Strukturen, die sich ändern, nach der Größe unserer Pfarreien, nach Personalmangel und hohen Zahlen von Kirchenaustritten. Auch nicht unbedingt zuerst die Frage: An was glaubst du, an wen, was ist dir wichtig? Wie sieht der große Mainstream in der Kirche und der Gesellschaft aus? Was kann man den Leuten heute noch zumuten? Die große Frage heißt zuallererst einmal: Wer bist du, Mensch? Wo stehst du in deinem Leben. Mit welcher Wertordnung bist du unterwegs? Woran hängt dein Herz. Was ist eigentlich deine tiefe Sehnsucht im Herzen. Ist da überhaupt noch Sehnsucht nach etwas in deinem Herzen, oder wie satt bist du schon? Wir dürfen auch in dieser so aufgewühlten Zeit ruhig mal mit einer Frage nach Hause gehen, die uns wach werden lassen will.

 

Wer bist du, Mensch?

 

Ausblick in die Woche

Nicht aufgeben trotz großer Dunkelheit.

Nicht mit dem Schlimmsten rechnen, sondern mit einem kleinen Wunder.

Den Kopf nicht hängen lassen, sondern ihn an die Schulter guter Freunde lehnen.

Die Hände nicht in den Schoß legen, sondern sie dem Glück entgegenhalten.

Sich trotz allem nicht verschließen, sondern die Tür zum Herzen aufmachen.

© Jochen Maris

 

Gebet

Barmherziger Gott, du stärkst uns immer wieder durch das gemeinsame 

Mahl. Als  schwache Menschen brauchen wir deine Hilfe. 

Nimm du unsere Schuld von uns und mache uns bereit für das kommende Fest. - Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn.

 

Segen

Es segne, bewahre und beschütze uns, die Menschen in unserer Pfarrei St. Johannes und die Welt, in der wir leben, der barmherzige Gott: 

der Vater und der Sohn und der Heilige Geist. Amen.

 

 

 

 

 

 

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Video zu St. Nikolaus

Pastoralreferent Mattia Zurlo






Impuls zum zweiten Sonntag im Advent 2020

- Diakon Achim Roos -

 

Der Herr wird kommen, um die Welt zu erlösen.

Volk Gottes, mach dich bereit.

Höre auf ihn, und dein Herz wird sich freuen.

Jes 30, 19.30

 

 

Gebet

Gott, deine Weisheit allein zeigt uns den rechten Weg. Lass nicht zu, dass irdische Aufgaben und Sorgen uns hindern, deinem Sohn entgegenzugehen.

Führe uns durch dein Wort und deine Gnade zur Gemeinschaft mit ihm,

der in der Einheit des Heiligen Geistes mit dir lebt und herrscht in alle Ewigkeit.

 

Lesung

2 Petr 3, 8-14

Das eine, liebe Brüder, dürft ihr nicht übersehen: dass beim Herrn ein Tag wie tausend Jahre und tausend Jahre wie ein Tag sind. Der Herr zögert nicht mit der Erfüllung der Verheißung, wie einige meinen, die von Verzö­gerung reden; er ist nur geduldig mit euch, weil er nicht will, dass jemand zugrun­de geht, sondern dass alle sich bekehren.

Der Tag des Herrn wird aber kommen wie ein Dieb. Dann wird der Himmel prasselnd vergehen, die Elemente werden verbrannt und aufgelöst, die Erde und alles, was auf ihr ist, werden nicht mehr gefunden.

Wenn sich das alles in dieser Weise auflöst: wie heilig und fromm müsst ihr dann leben, den Tag Gottes erwarten und seine Ankunft beschleunigen! An jenem Tag wird sich der Himmel im Feuer auflösen, und die Elemente wer­den im Brand zerschmelzen.

Dann erwarten wir, seiner Verheißung gemäß, einen neuen Himmel und eine neue Erde, in denen die Gerechtigkeit wohnt. Weil ihr das erwartet, liebe Brüder, bemüht euch darum, von ihm ohne Makel und Fehler und in Frieden angetroffen zu werden.

 

Gedankensplitter

Mit vielen Ermahnungen versucht der Verfasser des zweiten Petrusbriefes die Gläubigen zu Anstrengungen im Glauben zu bewegen, die Ankunft des Herrn vor Augen: Erwarten –  Bemühen - Aushalten.

Kennen Sie das aus Ihrer Kindheit am Anfang des Advents auch noch? Da be­teuerten die Eltern, dass das Christkind was Schönes bringen wird, wenn man artig ist und sich zusammenreißt. Hat es bei Ihnen auch funktioniert?

Der Advent war die Zeit der Vorfreude und Erwartung. Für Kinder ist sie das sicher auch heute noch, und das macht bei vielen den Glanz der Vorweih­nachtszeit aus. - Doch bei Erwachsenen scheint seit Jahren der Stresspegel stetig zu steigen, je weiter man sich dem großen Fest nähert. 

Was muss noch alles erledigt werden, schaff ich das alles? Ein reibungsloser Ablauf wird erwartet. Ist da noch Platz für eine Erwartung für die weih­nachtliche Botschaft?

Dieses Jahr wird alles anders. Das Thema Erwartung rückt ganz nah an uns heran. Aber anders als gedacht. Es tauchen bange Fragen auf wie:

  • Wird das klappen mit dem Impfstoff und sollen wir uns überhaupt impfen lassen?
  • Und wie geht das in Zukunft weiter mit unserer Gesellschaft, die sich immer mehr zerrissen fühlt?
  • Wie geht es weiter mit der Kirche?

Solche oder ähnliche Fragen hatten die Urchristen zur Zeit der Apostel auch. Und da lenkt der Schreiber des Petrusbriefs den Blick auf etwas ganz ande­res.

„Wenn ihr Bedrängnis und Unsicherheit verspürt, dann erwartet einen neuen Himmel und eine neue Erde, in denen die Gerechtigkeit wohnt“, so schreibt er. 

Um nichts Geringeres geht es. Den neuen Himmel schafft Gott, die neue Erde, das ist unser Auftrag. Natürlich ist damit nicht eine zweite Erde ge­meint, sondern eine erneuerte, ein erneuerter Umgang mit der Erde und ein erneuerter Umgang unter den Menschen.

Dieses Verhalten wird seit alters her mit Gerechtigkeit bezeichnet. Der Be­griff wird in der Bibel nicht in juristischer Weise verwendet, sondern als eine Überzeugung, die zur Tat wird. Gerecht lebt, wer sich für Notleidende einsetzt, gegen Willkür aufsteht, für die Menschenrechte eintritt und sich schließlich um den Erhalt der Schöpfung Gottes bemüht.

Das sind viel gehörte Sätze und immer wieder nehmen wir uns das eine oder andere vor. Aber was hält uns ab, es umzusetzen? Unsere Trägheit? Unser Unvermögen?

Holen wir uns Kraft für die Tat aus den vielen Beispielen unserer Glaubens­geschichte: der eine oder andere Prophet, ein Franziskus, unser jetziger Papst, bis hin zu den jungen Menschen, die für ein intensives Umdenken im Umgang mit unserem Planeten eintreten.

Das ist doch ein wunderbarer Auftrag für den Advent 2020 – wir erwarten von Gott, dass er einen neuen Himmel für uns bereithält und dass wir an einer erneuerten Erde mitbauen, die menschlich ist und noch lange Zeit für Menschen bewohnbar bleibt.

 

Ausblick in die Woche

Geschenke. Darum dreht sich in den nächsten Wochen wieder mal - fast - alles. Corona hin oder her. Sich etwas schenken, das bleibt auch in die­sem Jahr einer der traditionellen Bräuche an Weihnachten. Das Problem: Bräu­che verstehen sich – manchmal – nicht von selbst. Sie sind deshalb für Missverständnisse und Konflikte offen. Da beschließt eine Familie, dass man sich nichts schenkt. Und dann holt an Heilig Abend doch jemand ein Paket heraus. Da schenkt der eine, weil es ihm einfach Freude macht - und der andere fühlt sich deshalb verpflichtet, auch etwas zu schenken. Da sucht jemand verzweifelt nach einem originellen Geschenk, nur, weil man sich halt was schenken muss.

Über diese und andere Fallen in Sachen Geschenke wird eines vergessen. Dass Schenken in seinem Kern weder etwas mit Geld noch mit einer Ver­pflichtung zu tun hat. Dass Schenken vor allem eines deutlich macht: Es zeigt, dass das Leben manchmal mehr bereithält, als es scheint. Das kann man bei Kindern lernen. Für sie gibt es Geschenke vom Christkind einfach so. Kinder erfahren an Weihnachten, dass Geschenke umsonst sind, dass sie gratis sind. Dieser Begriff gratis kommt übrigens von gratia. Das ist Latein und meint Gnade. Gnade ist etwas, das es nur umsonst gibt. Sie kostet nichts. Sie ist nicht notwendig. Sie wird einfach verschenkt. Zum Beispiel, wenn jemand begnadigt wird, oder wenn von der Gnade der spä­ten Geburt die Rede ist. Gnade kommt einfach so.

Davon erzählt auch Weihnachten - am Ende der Adventszeit. Dass ein Kind geschenkt wird. Und dass es beim Schenken nie auf den Wert oder die Größe ankommt. Sondern darum, sich beschenkt zu fühlen, einfach so.

Ich wünsche Ihnen weiterhin eine gesegnete Adventzeit!

 

Gebet

Herr, unser Gott, Du gibst uns immer wieder neue Kraft durch das Heilige Mahl. Hilf uns, die Welt im Licht deiner Weisheit zu sehen und das Unver­gängliche mehr zu lieben als das Vergängliche. 

Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn.

 

Segen

Es segne, bewahre und beschütze uns, die Menschen in unserer Pfarrei St. Johannes und die Welt, in der wir leben, der barmherzige Gott: der Vater und der Sohn und der Heilige Geist.

 

 

 

 

 

 

Impuls zum ersten Sonntag im Advent 2020

- Diakon Ralf Schwenk -

 

Zu dir, Herr, erhebe ich meine Seele. Mein Gott, dir vertraue ich.

Lass mich nicht scheitern, lass meine Feinde nicht triumphieren!

Denn niemand, der auf dich hofft, wird zuschanden.

Ps 25 (24), 1-3

 

 

Gebet

Herr, unser Gott, alles steht in deiner Macht; du schenkst das Wollen und das Vollbringen. Hilf uns, dass wir auf dem Weg der Gerechtigkeit Christus entgegengehen und uns durch Taten der Liebe auf seine Ankunft vorberei­ten, damit wir den Platz zu seiner Rechten erhalten, wenn er wiederkommt in Herrlichkeit. 

Er, der in der Einheit des Heiligen Geistes mit dir lebt und herrscht in alle Ewigkeit.

 

Evangelium

Mk 13,24 -37

+ Aus dem heiligen Evangelium nach Markus.

Jesus sprach zu seinen Jüngern: In jenen Tagen, nach der großen Not, wird sich die Sonne verfinstern, und der Mond wird nicht mehr scheinen; die Sterne werden vom Himmel fallen, und die Kräfte des Himmels werden erschüttert werden. Dann wird man den Menschensohn mit großer Macht und Herrlichkeit auf den Wolken kommen sehen. Und er wird die Engel aussenden und die von ihm Auserwählten aus allen vier Windrichtungen zusammenführen, vom Ende der Erde bis zum Ende des Himmels.

Lernt etwas aus dem Vergleich mit dem Feigenbaum! Sobald seine Zweige saftig werden und Blätter treiben, wisst ihr, dass der Sommer nahe ist. Genauso sollt ihr erkennen, wenn ihr all das geschehen seht, dass das Ende vor der Tür steht.

Amen, ich sage euch: Diese Generation wird nicht vergehen, bis das alles eintrifft. Himmel und Erde werden vergehen, aber meine Worte werden nicht vergehen. Doch jenen Tag und jene Stunde kennt niemand, auch nicht die Engel im Himmel, nicht einmal der Sohn, sondern nur der Vater. Seht euch also vor, und bleibt wach! Denn ihr wisst nicht, wann die Zeit da ist.

Es ist wie mit einem Mann, der sein Haus verließ, um auf Reisen zu gehen: Er übertrug alle Verantwortung seinen Dienern, jedem eine bestimmte Auf­gabe; dem Türhüter befahl er, wachsam zu sein. Seid also wachsam! Denn ihr wisst nicht, wann der Hausherr kommt, ob am Abend oder um Mitter­nacht, ob beim Hahnenschrei oder erst am Morgen. Er soll euch, wenn er plötzlich kommt, nicht schlafend antreffen. Was ich aber euch sage, das sage ich allen: Seid wachsam!

 

Gedankensplitter

Jetzt ist es klar. Weihnachten darf gefeiert werden. Wie viele haben in den letzten Tagen dieser Nachricht entgegengefiebert! Aber auch ohne die Einschränkungen, die die Pandemie mit sich bringt, wäre Weihnachten doch gefeiert worden! Was hat die Politik da zu entscheiden? 

Sie merken, wie schnell wir uns auf den Holzweg führen lassen. Anfangen „quer“ zu denken, wenn wir nicht auf das Wesentliche achten. Das We­sent­liche dieser Aussage ist nämlich nicht, ob Weihnachten gefeiert wer­den darf oder nicht, sondern lediglich, wie der Rahmen privater Feiern so abgesteckt werden kann, dass es im Hinblick auf die Inzidenzwerte keinen großen Rückschlag geben wird. Ganz schnell befinden wir uns also auf dem Holzweg. 

Wir merken, dass es schon einiger unklarer Aussagen oder Interpretatio­nen genügt, und schon sind wir „dagegen“! 

Manche sehen die Demokratie in Gefahr, gehen auf die Straße, würden sich aber wundern, wenn sie in einer Diktatur leben, dann wären Demon­strationen und Meinungsfreiheit kein Gut, dass im Grundgesetz verankert ist und zu den fundamentalen Rechten gehört, die unseren Staat ausma­chen. - Also heißt es richtig hinhören und aufpassen. Was uns zum Evangelium des ersten Adventssonntages führt. 

„Seid wachsam“, das ist der Kernsatz dieser Frohen Botschaft. Und Ad­vent heißt ja, vom Lateinischen her Ankunft. Es kommt etwas auf uns zu. Das heißt, Gott ist es, der als Kind in der Krippe uns Menschen begegnen will. Der am Anfang und am Ende der Zeiten steht. Wir füllen einen Bruchteil dieser Zeiten aus. Jeder von uns weiß, dass es uns nicht gege­ben ist, diese Zeit selbst zu bestimmen, weder den Anfang noch das Ende. Was wir aber bestimmen können ist, wie wir uns auf das Kommen vorbe­reiten, wie wir unser Leben leben. Was wir für wichtig halten und was nicht. Wem wir einen Platz in unserem Leben einräumen. 

Nutzen wir die Zeit dieses Advents einmal anders - schon weil wir weder Weihnachtsmärkte noch Weihnachtsfeiern besuchen können, um uns auf das Wesentliche zu konzentrieren. Wir haben die Gelegenheit, weil weni­ger Ablenkung auf uns wartet. Wir haben die Gelegenheit zu einer wirk­lich besinnlichen Adventszeit, in die wir nicht schon - wie sonst üblich - das Weihnachtsgeschehen vorzeitig hineinziehen. 

So bleibt Zeit für die wirklich wichtigen Dinge: mal wieder einen Brief schreiben, ein Buch lesen, einen Blick in das Buch der Bücher werfen,  Mu­sik hören, ein lange aufgeschobenes Telefonat führen, etwas basteln... Sie haben bestimmt noch viele interessante Ideen, die genau zu Ihnen passen. 

Ich wünsche Ihnen, Ihren Partnern, Kindern, Ihrer ganzen Familie eine wesentlich besinnliche Adventszeit! 

 

Ausblick in die Woche

Vielleicht passt zu Beginn dieser besonderen besinnlichen Zeit dieses Gedicht. 

Ruhige Zeiten steh‘n uns bevor

Bleiben allein, bereiten uns vor. 

Keine Hetze, kein Weihnachtsrausch!

Besinnen uns auf manch alten Brauch!

Einmal im Jahr wachsam sein, 

einmal im Jahr mehr daheim,

nicht in Hetze durch alle Geschäfte

raubt uns das doch nur unsre Kräfte. 

Ruhige Zeiten steh‘n uns bevor.

Wachet auf singen Engel im Chor.

Achtet darauf was Wesentlich ist

Es ist der Herr: Fürchtet Euch nicht.      

(Ralf Schwenk)

 

Gebet

Herr, unser Gott, du gibst uns immer wieder neue Kraft zum Handeln. Zeige uns den rechten Weg durch diese vergängliche Welt und lenke unseren Blick auf das Unvergängliche, damit wir in allem dein Reich suchen. Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn.

 

Segen

Es segne, bewahre und beschütze uns, die Menschen in unserer Pfarrei St. Johannes und die Welt, in der wir leben, der barmherzige Gott: der Vater und der Sohn und der Heilige Geist.